Christian Arndt Friedrich Paul Christian Arndt Friedrich Paul  ‎(I714)‎
Nachname: Paul
Vornamen: Christian Arndt Friedrich

Geschlecht: männlichmännlich
      

Geburt: 24. August 1848 34 25 Lorenzkirch
Tod: 2. November 1918 ‎(Alter 70)‎ Bethel
Persönliche Fakten und Details
Geburt 24. August 1848 34 25 Lorenzkirch

Taufe 27. August 1848 ‎(Alter 3 Tage)‎ Lorenzkirch

Tod 2. November 1918 ‎(Alter 70)‎ Bethel

Beerdigung Eckardtsheim

Universelle ID-Nummer 0E651C5CF40FF04890B02381B628238691BF
Letzte Änderung 12. November 2014 - 18:33:50
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Familie der Eltern  (F14)
Simeon Fürchtegott Paul
1814 - 1890
Auguste Sophie Pauline Heyme
1823 - 1894
Christian Arndt Friedrich Paul
1848 - 1918
Georg Gotthold Paul
1849 - 1890
Ernst Friedrich Paul
1851 - 1929
Hermann Paul
1853 - 1854
Maria Christophora Paul
1855 - 1927
Prof. D. theol. Carl Paul
1857 - 1927
Heinrich Paul
1858 - 1858
Fürchtegott Paul
1859 - 1927
Prof. Dr. phil. Dr. med. Theodor Paul
1862 - 1928
Martin Paul
1864 - 1932
Heinrich Paul
1868 - 1868
Sophie Paul
1869 - 1886


Bemerkungen

Bemerkung
Im Tagebuch vom Bruder Carl steht Weihnachten 1881: "Arndt erschien in äußerer Beziehung sehr heruntergekommen, das Haar in langen Strähnen bis zur Schulter tragend, mit vielen wunderlichen Ideen im Kopfe. Ich fürchte, der Vater hat recht, wenn er unsers ältesten Bruders Zukunft in das Armenhaus verlegt; aber ich hoffe zuversichtlich, dass er wenigstens an seinem inneren Menschen nicht zu Grunde geht; zu meiner großen Freude hörte ich, dass er jetzt von seinem kürzlichen Gehalte monatlich 25 Mark zur Deckung alter Schulden verwendet."

Er liebte Gretchen Weinlich, die Erzieherin im Haus der Familie war. Gretchen Weinlich heiratete Alexander Hempel. Nach der Absage von Gretchen war Arndt stark auf die Mutter fixiert.

Nachfolgende Lebensbeschreibung: ­http­://­gaebler­.­info­/­ahnen­/­paul­/­arndt­.­pdf­

"Ich, Christian Arndt Friedrich Paul, bin am 24. August 1848 als erster Sohn des Pfarrers Simeon Fürchtegott Paul in Lorenzkirch geboren. Bis zum elften Lebensjahre besuchte ich die dortige Dorfschule und wurde daneben vom Pfarrvikar meines zu der Zeit kränklichen Vaters unterrichtet. Vom elften bis zum vierzehnten Jahre war ich in Pension beim Archidiakonus Müller in Großenhain und besuchte die erste Bürgerschule daselbst. Von Ostern 1862 bis Ostern 1867 war ich Alumnus der Königl. Landesschule St. Afra, studierte vier und ein halbes Jahr in Leipzig Theologie und war zu der Zeit aktiv beim Korps Lusatia. Dann war ich drei Jahre Hauslehrer in Böhlitz-Ehrenberg bei Leipzig für die Kinder des Oberförsters v. Hopfgarten und des Industriellen Schlobach, hiernach ein halbes Jahr im Elternhause in Lorenzkirch mit vikarierendem Unterrichte in der Volksschule des eingepfarrten Dorfes Kreinitz. Es folgten neun Jahre Lehrerzeit an der dritten Bürgerschule in Großenhain."

Mit diesen Worten beschrieb Arndt Paul selbst sein Leben bis zu dem Zeitpunkte, da er, am 19. August 1884, als Helfer in den Anstalten des Pastors v. Bodelschwingh in Bethel bei Bielefeld Aufnahme fand. Der weitere Gang dieses Lebens war so eigenartig und, gemessen an demjenigen, den sonst das Leben eines Altafraners nimmt, einzigartig, dass hier abgedruckt sein mag, was Pastor Gustav v. Bodelschwingh in Bethel über dasselbe erzählt:

Vor mehr als dreißig Jahren lebte in einer sächsischen Stadt ein einsamer alter Kandidat der Theologie. Das Haus, in dem er Unterkunft gefunden hatte, wurde zugleich, soweit sie Bürgerquartiere hatten, von den Feldwebeln und Sergeanten bewohnt. In ihren Freistunden nahmen sie bei ihrem Hausgenossen, dem Kandidaten, Unterricht in allerlei Fortbildungsfächern. Während sie selbst die guten Zimmer des Hauses inne hatten, hatte sich der Kandidat auf dem Vorraum, der zu den Zimmern führte, aus Brettern und Zeugstoffen einen Verschlag gemacht. Dort hauste er in großer Bescheidenheit und Dürftigkeit. Er hätte es besser haben können. Seine jüngeren Brüder hatten es längst zu Ansehen und Würden gebracht, aber er hatte, wie einst Diogenes, den Weg freiwilliger Armut erwählt. Schon als Schüler der Fürstenschule in Meißen und hernach als Student der Theologie in Leipzig war er der Freund und Versorger verlassener, vereinsamter oder gefährdeter Kinder und junger Leute gewesen. Seine ganze Freizeit verwendete er dazu, sich mit ihnen zu beschäftigen, um sie vor Müßiggang und Torheit zu bewahren. Noch schlagen hin und her im Vaterlande dankbare Herzen von Männern, die es im Leben zu etwas gebracht haben, weil sie in ihrer Jugend diesen treuen, hingebenden Freund fanden, der sie, wie eine Henne ihre Küchlein, in seinen Schutz nahm.

Über solchem Dienste an anderen litten freilich die Studien, und nur mühsam wurde der Abschluss der Studentenzeit durch das theologische Examen erreicht. Das Ziel, einmal ein Pfarramt zu übernehmen, entschwand dem Kandidaten mehr und mehr, teils aus zarten inneren Bedenken, dann aber auch, weil seine Herzensneigung nun einmal dahin ging, ganz in der Verborgenheit für andere zu leben. Nach kurzer Hauslehrerzeit übernahm er die Stellung eines Hilfslehrers in Großenhain. Noch erzählt man davon, wie er einmal bei einem Ausfluge einen ermüdeten Schüler auf den Rücken nahm und weiter trug; und als dann auch ein zweiter nicht mehr weiter konnte, band er aus einem Tuche zwei Schlingen, setzte in jede der Schlingen einen Jungen, legte sich das Tuch über die Schultern und schleppte so seine beiden Schützlinge, einen vorn, einen hinten, den Berg in die Höhe. In der Schule waren ihm vor allem die ärmsten Kinder anvertraut, die nach ihrer Gewohnheit nachmittags nach Schluss der Schule auf die umliegenden Dörfer zogen, um dort zu betteln. Statt solches Unwesen einfach zu verbieten, mietete unser Freud vor der Stadt einen Acker, bestellte ihn in der Freizeit zusammen mit seinen Kindern und verteilte den Erlös des Ertrages unter sie.

Aber unter solchem Dienste an anderen wurden, die äußeren Verhältnisse des Hilfslehrers immer dürftiger, so dass seine Familie in wachsender Sorge war, welchen Fortgang und Ausgang dies Leben einmal nehmen, würde. Eine Studienreise hatte einen der jüngeren Brüder unseres Freundes zu uns nach Bethel geführt und hatte in ihm den Wunsch geweckt, seinem Bruder bei uns eine Heimat bereitet zu sehen.

So kam denn der bald vierzigjährige Kandidat der Theologie im Jahre 1884 zu uns. Er trat als Hilfsbruder in unser Diakonenhaus Nazareth ein, dessen Glieder, der uralten christlichen Sitte der kirchlichen Brüderschaften folgend, sich untereinander "Bruder" nennen und auch von Kranken und Gesunden unserer Gemeinde so angeredet werden. So finden wir denn von nun an unseren "Bruder Paul" bald auf der einen, bald auf der andern Station unserer epileptischen und blöden Kranken. Wie früher, so waren es auch jetzt gerade die Schwächsten und Elendesten, denen seine besondere Liebe galt und denen er mit großer Hingabe und Treue diente. Nur zeigte es sich, daß die mancherlei Entbehrungen, die er in den vergangenen Jahren freiwillig erlitten hatte, doch nicht wie Wasser an ihm hinuntergeglitten waren, sondern seine Natur angegriffen hatten. Sein Wesen war leicht erregbar und zu Heftigkeiten, ja Grobheiten geneigt; aber das trat der Regel nach nur im Umgange mit gesunden Mitarbeitern zutage, während er den Schwachen und Kranken gegenüber stets sein zartes, mitleidendes Empfinden bewies. Seine Erholungs-stunden benutzte er vor allem zum Studium der Werke Luthers, sowohl in deutscher wie in lateinischer Sprache. Und auch darin zeigte er sich als dankbarer Schüler unseres großen Reformators, dass er die Musik mit tiefer Innigkeit und heiliger Glut pflegte. Während seine Stimme im Gespräch oft hart und barsch klingen konnte, so machte er alles wieder gut, wenn im Chor unserer Zionskirche sein tiefer, voller Bass ertönte. Da ging es bei ihm nach der Weise:

"Liederleben, Geisterleben bebte durch des Mönches Adern, ?Feuer strahlten seine Augen, ?Tiefe, heil'ge Herzensglut."

Ein Stutzflügel, den ein alter Musikdirektor uns sterbend hinterlassen hatte, bezog das Stübchen unseres Bruders Paul, der auf ihm in freien Abendstunden nun nicht nur für sich die Musik pflegte, sondern ganz in der Stille denen Nachhilfestunden gab, bei welchen er während des Singens im gemeinsamen Chor Mängel entdeckt hatte. Auf solche Mängel konnte er mit rücksichtsloser Derbheit aufmerksam machen, war aber dann nicht minder zart und sorgsam, seine Schüler wirklich von ihren Mängeln zu befreien.
So kamen und gingen die Jahre, und mehr und mehr zeigte es sich, dass die geistigen und körperlichen Kräfte für den eigentlichen Pflegedienst erlahmten. Aber für den, der sich nicht selber leben will, sondern andern, wird ja das Leben auch bei sinkender Kraft niemals ärmer, sondern immer reicher und schöner. So war es auch bei Bruder Paul. Er wurde ganz von dem unmittelbaren Dienste an den Kranken ausgespannt und übernahm die Arbeit an unserer Anstaltspost. Diese Arbeit bestand darin, dass er die Briefe, Mitteilungen und sonstigen Sendungen, die innerhalb der Anstaltshäuser selbst gewechselt werden, abholte und an ihre verschiedenen Bestimmungsplätze brachte. Während bis dahin sein Leben in der Stille der Krankensäle verborgen geblieben war, trat er jetzt mehr und mehr an die Öffentlichkeit. Er wurde, ohne dass er es merkte, eine der bekanntesten und beachtetsten Gestalten in unserer Mitte. Und wer ihn jemals gesehen hat, die schwere lederne Posttasche über der Magengegend hängend, die Pakete oder Zeitungen, die herumzutragen waren, mit Stricken über die Brust oder über den Rücken gehängt, den Körper im Geschwindschritt leise nach vorn gebeugt, der kann dies wandelnde Bild der Hingabe, des Eifers und der Treue so leicht nicht wieder vergessen. Wenn es jetzt heißt, daß nur im Dienste gegrüßt, außer Dienst aber der Gruß unterlassen wird, so war es bei Bruder Paul umgekehrt. Im Dienste grüßte er niemanden und niemals, und nur, was selten genug der Fall war, wenn er sich einmal außer Dienst fühlte, bekam man einen Gruß oder ein Wort von ihm. Es mochten seine nächsten Freunde sein, seine vertrautesten Bekannten, unser Anstaltsvater selbst, an dem er mit glühender Liebe hing, er machte gar keinen Unterschied, sondern es ging immer nach der gleichen Regel: "Ich seh' dich nicht, ich hör' dich nicht, das ist alles, was ich kann".

Und doch verlor er sich nicht in der übernommenen Aufgabe, vielmehr blieb sein Herz auf das Ganze gerichtet. Die Lutherstudien wurden fortgesetzt, auch in das Leben Gustav Adolfs, den er sehr verehrte, vertiefte er sich. Und das Auge sah mit tiefstem Teilnehmen in die Welt und Zeit hinein und sah kommen, was als Gottes Gericht über die Welt kommen musste: es sah viele Jahre vorher schon den Krieg kommen. Wie oft hatte unser alter Vater uns gesagt: "Kinder, was werdet ihr noch einmal erleben!" Das empfand auch Bruder Paul im voraus und rüstete sich auf seine Weise darauf. Er schaffte sich eine hohe zweirädrige Karre an mit einer Scherdeichsel davor, so lang, dass ein Verwundeter bequem ausgestreckt darauf liegen konnte, und überspannte sie mit einem Dach aus leichtem Stoff zum Schutz gegen Regen und Sonnenstrahlen. Sie sollte ihm, da er keine Hoffnung mehr hatte, mit seinen ermatteten Kräften selbst hinauszuziehen, dazu dienen, verwundete und kranke Soldaten, die zu uns in Pflege gebracht werden würden, mit Wäsche und Kleidungsstücken zu versorgen, sie auch selbst in die Lazarette zu fahren oder ihnen gelegentlich eine kleine Ausfahrt zu ermöglichen. Um sich für den Ernstfall zu rüsten, unternahm er schon viele Jahre vor dem Kriege häufig Probefahrten mit diesem Wagen. Er lud einige unserer epileptischen Kinder darauf, spannte sich in die Scherdeichsel, legte zur Erleichterung des Ziehens noch einen Riemen um die Schultern, um so auch mit dem Oberkörper ziehen zu können, und so ging die Fahrt durch unsere Anstalten hindurch, oft. auch weit über Berg und Tal in Feld und Wald hinein. Wer das eigenartige Gefährt sah, das für die Lustfahrten der Kinder mit verschiedenen Sitzen ausgestattet ward und für weitere Ausflüge sogar eine kleine Tonne mit Trinkwasser bei sich führte, der lächelte Wohl im stillen über unseren Bruder Paul, der ja in der Tat mehr und mehr ein Sonderling geworden war, und doch zog zugleich ins Herz eine stille Hochachtung vor dieser glühenden Seele.

In empfindsamen Gemütern freilich hätte diese Hochachtung zunächst zu kämpfen gehabt beim Eintritte in die Junggesellenstube unseres Bruders Paul. Bücher, Musikalien, Atlanten und Stöße von alten Postkarten, die er im Laufe der Jahre in der Brockensammlung gekauft hatte, waren auf- und durcheinander geschichtet, über und über in Staub gehüllt. Sie versperrten den Eingang und versperrten das Fenster. In diesem Durcheinander konnte es wohl geschehen, dass ihm die Briefe seiner Mutter, an der er mit inniger Liebe hing, abhanden kamen. Er war sehr erregt darüber und glücklich, als er sie schließlich in all der Wirrnis wiederfand. Zu dem Stutzflügel des Musikdirektors war noch ein zweites uraltes Instrument hinzugekommen, das Bruder Paul für fünfundzwanzig Mark angeboten war, für das er aber in seiner Redlichkeit nicht fünfundzwanzig, sondern fünfzig Mark bezahlt hatte, weil es, wie er sagte, ihm so viel wert fei. An der Stelle des Bettes, das längst irgendeinem Bedürftigen abgegeben war, stand ein kümmerliches Gestell. Inmitten dieser Wirrnis herrschte Bruder Paul als ein unumschränkter Tyrann. Jeder Versuch der Hausmutter, mit Wasser und Scheuerbesen und ordnender Hand einzugreifen, wurde unweigerlich abgewiesen. Auch keine Bitte, irgendetwas von seinen Sachen zu verschenken, fand Gehör. Er wollte auch nicht einmal den Anschein eines gütigen, liebenswürdigen Menschen erwecken. Aber wo er einen verborgenen Mangel, einen unausgesprochenen Wunsch entdeckte, dahin trug er ganz in der Stille von seinen Schätzen eine Decke, ein Hemd, ein Bild oder ein Musikstück von Beethoven oder Händel oder einem anderen musikalischen Helden. Wenn er von jemand hörte, der eine Reise unternehmen wollte oder gemacht hatte, so stellte er für ihn aus seinen Postkarten an der Hand des Atlas in mühsamer, stundenlanger Arbeit die ganze Reiseroute zusammen, als eine im Bilde dargestellte Reiseerinnerung. Eine halbblinde, irgendwo aufgegriffene Katze hauste allein in dem Zimmer, wenn Bruder Paul auf seinen Botengängen war. Kam er dann heim und lockte draußen die Sonne, dann brachte er das einsame alte Tier hinaus und freute sich an dem Behagen, mit dem es den Sonnenschein genoss. Überhaupt war er ein rührender Freund der Tiere. Im Winter erinnerte er überall auf seinen Botengängen an die hungernden Vögel. Er lehrte uns, wie eine mit Samenkörnern und Brotkrumen gefüllte Flasche am besten umgestülpt dicht über einem Brett angebracht wird, so daß von den pickenden Vögeln nur Krume um Krume, Körnchen um Körnchen hervorgeholt werden kann, und so das Futter nicht unnütz vergeudet wird. Namentlich den Fleischknochen jagte er nach, so dass, wenn er in die Küche kam, die Knochen im Kochtopf nicht vor ihm sicher waren, weil er sie am liebsten sofort für die Vögel aufhängen wollte.

Unvergesslich wird uns der Augenblick bleiben, wie der treue Mann an das Bett unseres sterbenden Vaters trat. Er hatte den Eindruck, daß der Kopf zu niedrig läge, stürzte davon, holte von seinem armseligen Lager sein eigenes Kopfkissen und ruhte nicht, bis wir es dem Sterbenden unter das Haupt geschoben hatten. Der nach dem Tode des Vaters einsam zurückbleibenden Tochter aber bot er sein Gefährt an, um sie mit eigener Hand zu ihrer Erquickung und Tröstung zu Freunden zu fahren.
Dann aber kamen Zeiten, wo Bruder Pauls Wagen stille stand und er schwächer und pflegebedürftiger wurde. Es gelang, ihn für einige Monate in eins unserer Krankenhäuser zu bringen, ihn zu baden, neu zu kleiden und willig zu machen, sich einige Fürsorge gefallen zu lassen. Es waren um die Zeit aus dem Haushalte des Kronprinzen allerlei Kleidungsstücke eingetroffen, so dass man Bruder Paul, als er seinen Dienst noch einmal wieder aufnahm, fortan in den weißen leuchtenden Hosen unseres Kronprinzen erblickte, von denen er drei Paar zu beständigem Wechsel erhalten hatte. Dann aber kam der Tag, wo die Bewohner von Bethel die liebe Gestalt nicht mehr zwischen den Häusern und Hecken entlang eilen sahen. Mit dem Anbruche des siebzigsten Lebensjahres war die Feierabendstunde gekommen. Drüben, zwei Wegstunden von hier, in unserer Tochterkolonie Eckardtsheim, wo die Sonne früher aufgeht als zwischen unseren Bergen, wo die Luft linder ist und alles weit und frei, war unserm Freunde das Feierabendstübchen bereitet worden. Dort hat er noch ein Jahr lang in zunehmender Stille und Zufriedenheit gelebt, wie in früherer Zeit vertieft in das Studium der Werke Luthers und unserer anderen geistlichen Helden, namentlich auch August Hermann Franckes. In Haus und Garten, wo er nur konnte, machte er sich nützlich, besuchte auch noch einmal die Seinigen in der fernen sächsischen Heimat und tauchte hier und da zu aller Freude auch bei uns in Bethel auf. Dann aber, in den Tagen, als unser Vaterland zusammenbrach, brach auch seine Hütte. In der Morgenstunde des 2. November 1918 sank er lautlos zusammen, kurz ehe die Glocke zur Andacht rief. In wenigen Augenblicken war alles überstanden, und seine Seele war hinweggeeilt zur ewigen Andacht im Himmel. Wir aber sehen unserm Freunde mit tiefer Dankbarkeit nach und preisen Gott, dass er ihn in unsere Mitte stellte. Was ist alles Wissen, alles Können, alle Gesundheit, aller Reichtum der Erde gegen solch ein Leben der Hingabe und Treue! "Der ist in der Liebe geblieben", sagte unser Vater einmal von ihm. "In der Liebe zu bleiben", wie Bruder Paul, das ist unsere einzige Aufgabe. So wird Gottes Reich unter uns gebaut und unserm Vaterland wieder aufgeholfen.

Wörtlicher Abdruck aus "Bote von Bethel" Nr. 98 mit gütiger Erlaubnis des Verfassers, des Herrn Pastors Gustav v. Bodelschwingh

Afranisches Ecce 1919, 24. Heft, Seite 33 - 38

Auszug aus dem Brief von Paul Georg Poetzsch ‎(1882 - 1968)‎ zur Familiengeschichte der Nachkommem der Familie Heyme und Paul in Lorenzkirchn an seinen Neffen Christian Georg Poetzsch-Heffter ‎(1926 - 2013)‎ vom 22.02.1958: "Onkel Arndt Paul, der Älteste, geboren etwa 1847, habe ich nicht gekannt. Er studierte Theologie, war begabt und sein Leben hätte wohl in ruhigen, hergebrachten Bahnen verlaufen können. Ob äusserliche starke Einflüsse auf ihn wirkten, ist mir nicht bekannt. Wahrscheinlich trieb ihn eine zu einseitig entwickelte und von seinen Voreltern Paul überkommene Lebensauffassung dazu, die Wohlfahrt seines Nächsten über sein eigenes materielles Ergehen zu stellen, ja jedes gesunde Empfinden für eigene Lebensnotwendigkeiten zu verlieren. Seine bisherigen theologischen Studien mögen ihm als nichtig erschienen sein im Vergleich zu sofortiger Hilfeleistung dort, wo er Elend sah. Er nahm schließlich die Stelle eines Lehrers an der Volksschule in Grossenhain an, betreute dort alle armen Kinder, gab seine eigenen Sachen weg und wohnte in einem Bretterverschlag auf einem Boden. In dieser Zeit ist er oft bei meiner Mutter in Skässchen gewesen, um für sein armes Volk zu betteln. Seine Lage ist dann wohl unhaltbar geworden, und man kann wohl sagen zu seinem Glück erhielt er durch die Vermittlung seines Bruders Carl eine Stelle als dienender Bruder und Pfleger an den Anstalten des Pastor Bodelschwingh in Bethel. Dort hat er sein Leben mit der Pflege Hilfsbedürftiger verbracht. Er starb etwa 70 Jahre alt in Bethel ohne vorheriges Kranksein am Herzschlag. Sein Bruder Carl sagte von ihm: "als Katholik wäre er heilig gesprochen worden."

Vgl. ­http­://­www­.­gaebler­.­info­/­uploads­/­georg_poetzsch­.­pdf­

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Quellen
Multimedia

Multimedia Objekt
Paul, ArndtPaul, Arndt  ‎(M340)‎

Bemerkung: 1848 - 1918

Bemerkung: 1848 - 1918
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Familiendaten als Kind
Vater
Simeon Fürchtegott Paul ‎(I12)‎
Geburt 6. August 1814 28 26 Nassau
Tod 29. Mai 1890 ‎(Alter 75)‎ Lorenzkirch
9 Jahre
Mutter
 
Auguste Sophie Pauline Heyme ‎(I13)‎
Geburt 14. Juli 1823 39 32 Spansberg
Tod 10. März 1894 ‎(Alter 70)‎ Lorenzkirch

Heirat: 5. Oktober 1847 -- Lorenzkirch, Zeithain, Kreis Meißen, Sachsen, Deutschland
11 Monate
#1
Christian Arndt Friedrich Paul ‎(I714)‎
Geburt 24. August 1848 34 25 Lorenzkirch
Tod 2. November 1918 ‎(Alter 70)‎ Bethel
16 Monate
#2
Bruder
Georg Gotthold Paul ‎(I720)‎
Geburt 24. Dezember 1849 35 26 Lorenzkirch
Tod 28. Februar 1890 ‎(Alter 40)‎ Dresden
2 Jahre
#3
Bruder
Ernst Friedrich Paul ‎(I715)‎
Geburt 7. November 1851 37 28 Lorenzkirch
Tod 17. November 1929 ‎(Alter 78)‎ Dresden
2 Jahre
#4
Bruder
Hermann Paul ‎(I3309)‎
Geburt 17. November 1853 39 30 Lorenzkirch
Tod 22. April 1854 ‎(Alter 5 Monate)‎ Lorenzkirch
16 Monate
#5
Schwester
Maria Christophora Paul ‎(I717)‎
Geburt 22. März 1855 40 31 Lorenzkirch
Tod 16. Mai 1927 ‎(Alter 72)‎ Schlachtensee
2 Jahre
#6
Bruder
Prof. D. theol. Carl Paul ‎(I133)‎
Geburt 4. Februar 1857 42 33 Lorenzkirch
Tod 10. Oktober 1927 ‎(Alter 70)‎ Schweta
2 Jahre
#7
Bruder
Heinrich Paul ‎(I3310)‎
Geburt 3. November 1858 44 35 Lorenzkirch
Tod 4. November 1858 ‎(Alter 1 Tag)‎
13 Monate
#8
Bruder
Fürchtegott Paul ‎(I716)‎
Geburt 5. Dezember 1859 45 36 Lorenzkirch
Tod 13. August 1927 ‎(Alter 67)‎ Lohmen
2 Jahre
#9
Bruder
Prof. Dr. phil. Dr. med. Theodor Paul ‎(I718)‎
Geburt 13. Februar 1862 47 38 Lorenzkirch
Tod 30. September 1928 ‎(Alter 66)‎ München
2 Jahre
#10
Bruder
Martin Paul ‎(I719)‎
Geburt 2. April 1864 49 40 Lorenzkirch
Tod 30. April 1932 ‎(Alter 68)‎ Bremen
4 Jahre
#11
Bruder
Heinrich Paul ‎(I2062)‎
Geburt 1868 53 44 Lorenzkirch
Tod 1868 Lorenzkirch
18 Monate
#12
Schwester
Sophie Paul ‎(I721)‎
Geburt 19. Juni 1869 54 45 Lorenzkirch
Tod 26. Mai 1886 ‎(Alter 16)‎ Lorenzkirch