Harry-Ferdinand Rudolf Sebastian von Johnston und Kroegeborn  ‎(I18387)‎
Nachname: von Johnston und Kroegeborn
Vornamen: Harry-Ferdinand Rudolf Sebastian

Geschlecht: männlichmännlich
      

Geburt: 10. Dezember 1910 40 27 Sadewitz
Tod: 5. Januar 1956 ‎(Alter 45)‎ Berlin
Persönliche Fakten und Details
Geburt 10. Dezember 1910 40 27 Sadewitz

POW in Russia 1945/46 (1946) ‎(Alter 35)‎ Held in captivity after WWII in Soviet Union

Tod 5. Januar 1956 ‎(Alter 45)‎ Berlin

Universelle ID-Nummer 55994DC844C77A4782BF3BFF81D766060EA6
Letzte Änderung 12. November 2014 - 18:34:39
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Familie der Eltern  (F7792)
Gustav Sebastian Alexander von Johnston und Kroegeborn
1869 - 1933
Leonie Elisabeth von Kalckreuth
1882 -
Herta Elisabeth Beate von Johnston und Kroegeborn
1902 -
Mortimer Alexander Gustav von Johnston und Kroegeborn
1903 -
Wilhelm Leopold Harry Sebastian von Johnston und Kroegeborn
1905 -
Johanna Sebastiane von Johnston und Kroegeborn
1907 -
Harry-Ferdinand Rudolf Sebastian von Johnston und Kroegeborn
1910 - 1956
Georg Rudolf Remus Sebastian von Johnston
1919 -

Eigene Familie  (F7793)
Olga Edelgard von Fabeck
1906 -


Bemerkungen

Bemerkung
Die "Heimkehr" des Rittmeisters d. Res. Harry-Ferdinand v. Johnston

"Heute, am Tage der Entlassung aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft, erlöste Gott meinen geliebten Mann Harry-Ferdinand v. Johnston, Rittmeister d. Res."

Dies war die erschütternde Todesanzeige, die seine Witwe in Bad Kissingen <­http­://­de­.­wikipedia­.­org­/­wiki­/­Bad_Kissingen­> aufsetzen musste. Bis Kissingen war sie selbst im Frühjahr 1945 mit ihrem Treck aus Schlesien, aus der Breslauer Umgebung gelangt.

Fast elf Jahre hatte sie auf den geliebten Gatten gewartet und um ihn gebangt, gebangt besonders in den letzten Jahren, in denen sie von seiner schweren Gelbsucht wusste.

Da Rittmeister v. Johnston nicht transportfähig war und mit den anderen Kriegsgefangenen im Herbst 1955 nicht mitfahren konnte, bemühte man sich über die sowjetische Botschaft in Paris, die Genehmigung eines Einzeltransportes im Flugzeug für ihn zu erwirken. Nach Wochen langen Wartens wurde endlich die Zusage gegeben.
Am 4. Januar 1956 erhielt seine in Herleshausen wartende Gattin telefonisch die Nachricht, dass ihr Mann am 5. Januar in der sowjetischen Botschaft in Ost-Berlin übergeben werden solle. Welche Freude war das für die so lang wartende Frau, welche Freude trotz der, Angst und Sorge um den schwer Leberkranken! Hoffnung und Freude siegten, auch bei den Kameraden und Freunden, deren er so viele hatte, und auch bei dem zum Empfang von Bad Kissingen nach Berlin gereisten Arzt Dr. Jaup. - Dr. med. Driever hatte im Oktober 1955 die Nachricht von dem Ernste der Erkrankung nach Hause gebracht.

Seitdem sorgte sich mancher mit seiner Frau um ihn. War er doch, in den Jahren der Gefangenschaft im Lager stets ein gern gesehener Kamerad und Freund gewesen, der so vielen geholfen hatte, der mit seinem innerlich tiefgründigen Frohsinn so manchen aufgerichtet hatte.

Auch als Gutsherr einst hatte er ein vorbildliches Verhältnis zu allen, die in seinen Betrieben arbeiteten, Ihnen war er zugleich auch Freund gewesen.

Die papiermäßige Übergabe des "amnestierten Kriegsverbrechers" erfolgte im prunkvollen Raum der sowjetischen Konsularabteilung im sowjetischen Sektor von Berlin an einen Beamten der westzonalen Botschaft in Anwesenheit des deutschen Arztes und eines Dolmetschers. Von der Übergabe wurde ein offizielles Protokoll aufgesetzt.
Ein einsamer, kleiner, sowjetischer Sanka von etwa 25 Kalmücken <­http­://­de­.­wikipedia­.­org­/­wiki­/­Kalm­%­C3­%­BCcken­> mit Maschinenpistolen bewacht stand auf der Straße Ecke Mittel- und Schadowstraße <­http­://­maps­.­google­.­de­/­maps­?­sourceid­=­navclient­&­ie­=­UTF­-­8­&­hl­=­de­&­rlz­=­1T4ACPW_de___DE358­&­q­=­Schadowstra­%­c3­%­9fe­%­2c­+­berlin­> an jenem Morgen des 5. Januar 1956. Der Heimkehrer lag bewusstlos mit schwarz gefärbten Haaren in Decken gehüllt auf der Bahre. Ein russischer Arzt saß bei ihm. Der deutsche Arzt, der ihn in Empfang nehmen sollte, sah sofort, dass er einen Sterbenden vor sich hatte. Auf seine Frage an den russischen Arzt nach der Ursache der Bewusstlosigkeit, erhielt er die Auskunft, der Kranke sei unruhig geworden, deshalb hätten sie ihm eine betäubende doppelte Spritze gegeben!

Die Bitte, die Bahre auf den westdeutschen Sanka umstellen zu dürfen, wurde nicht genehmigt. So musste der Bewusstlose nun den westdeutschen Herren auf die Bahre des westdeutschen Sankas umgebettet werden.

Kein Berliner wusste, dass ein Heimkehrer erwartet wurde. Nur die Angehörigen standen mit Blumen in den Händen am Brandenburger Tor, als der Sanka sich im Schrittempo ihnen näherte. Auch sie sahen sofort, dass ein Sterbender vor ihnen lag, als die Türen des Sankas geöffnet wurden.

Die Gattin Edelgard v. Johnston konnte von Herleshausen wegen Verkehrsschwierigkeiten nicht rechtzeitig eintreffen. Sie sah ihren Mann erst in einem Westberliner Krankenhaus wieder. Eine Welt der Hoffnung brach für sie zusammen.
Sieben Stunden nach seiner Heimkehr, zwei Stunden nachdem seine Frau sein Sterbelager erreicht hatte, starb Harry-Ferdinand v. Johnston eingehüllt in eine Wolke der Unnahbarkeit, ohne das Bewusstsein wieder erlangt zu haben.

Im Auto wurde der Sarg mit der sterblichen Hülle in Begleitung der Angehörigen nach Bad Kissingen geleitet.
Die Glocken von Bad Kissingen läuteten. Eine große Anzahl von Heimkehrern, darunter der in der Kriegsgefangenschaft so bewährte Arzt Dr. Driever, Angehörige, Freunde und Bekannte bildeten eine übergroße Trauergemeinde.

In einem Meer von Blumen stand der schwere Eichensarg. Nur die Kriegsgefangenenmütze und ein Rosenstrauß lagen auf ihm. Links und rechts des Sarges hatten die Fahnen des Heimkehrerverbandes, des Soldatenbundes und des Schlesierverbandes Aufstellung genommen. Der erste und dritte Vers des Liedes "Wir treten zum Beten" leitete die Totenfeier ein. Der evangelische Heimatpfarrer aus dem Kreise Breslau zeichnete in ergreifenden Worten das Schicksal und das edle Bild des Verstorbenen als aufrechter Christ, als sorgender Gutsherr auf eigener Scholle und als Soldat. Heimgesehnt - , ... Heimgekehrt - , ... Heimgegangen.

Getreu seinem Einsegnungs- und Trauspruch "Sei getreu bis in den Tod, so will ich Dir die Krone des Lebens geben" habe er sich selbst, seiner Frau, seinen Kameraden und nicht zuletzt dem Feldmarschall v. Kleist, dessen persönlicher Adjutant er gewesen war, die Treue gehalten.

In warmen, zu Herzen gehenden Worten sagte der Oberbürgermeister von Bad Kissingen, dass die Stadt nun dem Heimkehrer nichts weiter bieten könne, als das kleine Stückchen Erde für sein Grab, Des vorbildlichen Soldaten und Kameraden gedachten die Vorsitzenden des Heimkehrerverbandes und des Soldatenbundes. Auch ein katholischer Geistlicher, ein Freund des Hauses, der es sich nicht nehmen ließ trotz ernster Krankheit nach Kissingen zu kommen, trat an den Sarg und gedachte in wärmstem Freimut des Mannes als eines "Ritters ohne Furcht und Tadel". - Vor der Majestät solchen Schicksals da schweigen die Konfessionen. - "Ich bete an die Macht der Liebe" intonierte die Kapelle, die Salutschüsse krachten und über das Grab senkten sich die Fahnen zu dem Liede vom "Guten Kameraden". -

Unaussprechlicher Dank gebührt der aufopferungsvollen und rastlosen Arbeit der deutschen Ärzte in den Gefangenenlagern 5110/23 und 5110/25 und den Kameraden, die mit den kargen, ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, versuchten dem Kranken die Lebensmittel zu verschaffen, die erforderlich waren, denn die Pakete der Heimat waren ja gestoppt, Ein gelähmter Kamerad hat monatelang gemeinsam mit den Ärzten um das Leben dieses Mannes gekämpft, um ihn den Triumph der Heimkehr erleben zu lassen. Die Liebe, welche die größte ist, stand über dem Leben, dem Leiden, dem Sterben dieses "Heimkehrers". -

Die deutsche Heimaterde deckt nun dieses stille Soldatengrab.

Quelle: Kulturgeschichtliche Bibliographie zum Adelsblatt 1956-1961?‎[Nachruf <­http­://­home­.­foni­.­net­/~­adelsforschung1­/­kubib1956­.­htm­>]‎, Jahrgang XIII. ‎(1957)‎, Seite 23-24

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Quellen
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Familiendaten als Kind
Vater
Gustav Sebastian Alexander von Johnston und Kroegeborn ‎(I18378)‎
Geburt 23. Dezember 1869 30 24 Breslau
Tod 2. Februar 1933 ‎(Alter 63)‎ Sadewitz
13 Jahre
Mutter
 
Leonie Elisabeth von Kalckreuth ‎(I18392)‎
Geburt 18. Dezember 1882 Kurzig
#1
Schwester
13 Monate
#2
Bruder
Mortimer Alexander Gustav von Johnston und Kroegeborn ‎(I18390)‎
Geburt 3. August 1903 33 20 Zweibrodt
2 Jahre
#3
Bruder
2 Jahre
#4
Schwester
Johanna Sebastiane von Johnston und Kroegeborn ‎(I18388)‎
Geburt 3. Oktober 1907 37 24 Sadewitz
3 Jahre
#5
Harry-Ferdinand Rudolf Sebastian von Johnston und Kroegeborn ‎(I18387)‎
Geburt 10. Dezember 1910 40 27 Sadewitz
Tod 5. Januar 1956 ‎(Alter 45)‎ Berlin
9 Jahre
#6
Bruder
Georg Rudolf Remus Sebastian von Johnston ‎(I18386)‎
Geburt 10. Juli 1919 49 36 Breslau
Familie mit Olga Edelgard von Fabeck
Harry-Ferdinand Rudolf Sebastian von Johnston und Kroegeborn ‎(I18387)‎
Geburt 10. Dezember 1910 40 27 Sadewitz
Tod 5. Januar 1956 ‎(Alter 45)‎ Berlin
-4 Jahre
Ehefrau
 
Olga Edelgard von Fabeck ‎(I18400)‎
Geburt 27. September 1906 Petersweiler