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Leseprobe aus "Return to Laughter"

Von Laura Bohannan (Eleonor Bowen)

Sonntag brachte mit meinem Morgenkaffee eine Botschaft: Amara hatte die ganze Nacht in Wehen gelegen; ich möge sofort mit Medizin kommen. Yabos befehlende Stimme war selbst durch Sonntags Wiedergabe hindurch hörbar. "Sobald ich meinen Kaffee getrunken habe", sagte ich zu Sonntag. Er hatte dem Boten bereits mitgeteilt, dass ich wahrscheinlich nicht kommen könnte, bevor die Sonne dort stünde: Sonntags ausgestreckter Arm wies auf die zweite horizontale Reihe des Dachstrohs - zehn Uhr. "Wo ist die Sonne jetzt?" fragte ich und stürzte meinen Kaffee hinunter. Mein Wecker war kaputt; meine Hütte war bis um zehn ziemlich dunkel. Sonntags Arm zeigte auf eine Stelle etwa auf halber Höhe der Wand - ungefähr halb acht. Sonntag, der bemerkt hatte, dass meine Laune für den Rest des Tages verdorben war, wenn ich mich beim Kaffeetrinken beeilen musste, bemühte sich, sich selbst vor mir zu schützen, indem er mich während dieser kritischen Zeit vor den anderen schützte. Die Tatsache, dass er diese Angelegenheit so früh erwähnt hatte, schien mir eher ein Beweis dafür zu sein, dass er die allgemein verbreitete Furcht vor Yabo teilte, als eine Rücksichtnahme auf meine wohlbekannte Zuneigung zu Amara.

Es gab wirklich keinen Grund zur Eile. Ich verstand nichts von Geburtshilfe und konnte vermutlich nichts tun, um Amara zu helfen. Trotzdem trank ich meinen Kaffee so schnell wie möglich und machte mich hastig auf den Weg. Ich eilte den schlammigen Pfad, entlang, so rasch ich konnte, und bald war ich hinter Udama, die etwas langsamer ging. Sie wurde von einer wuchtigen Frau mit einem großen Kropf und einer heiseren Stimme begleitet. Udama erklärte ihre Gegenwart. "Yabos Hauptfrau hat alle Hebammen zusammengerufen. Dieser Fall übersteigt ihre Fähigkeiten."

Auf Yabos Anweisungen war Amara aus der Hütte getragen und im Hof in den Schatten eines Baumes gelegt worden. Die Brise, sagte er, würde sie erfrischen, außerdem wäre dort Platz für alle Hebammen, und diese würden besser sehen können. Schon waren ungefähr ein halbes Dutzend Frauen um sie versammelt. Ich erkannte die wichtigsten Frauen von Yabos Gehöft und eine Frau mittleren Alters, die Amaras Mitfrau war. Sie war mit ihrem Ehemann erschienen, sobald sie die Nachricht erhalten hatte.

Ich schaute auf die versammelten Hebammen. Yabos Hauptfrau hatte tatsächlich alle von nah und fern geholt. Ein altes Weib, schon fast ganz gebeugt und zitternd vor Alter, lebte sechs Kilometer entfernt. "Du bist von weit hergekommen, meine Mutter", gratulierte ich ihr, denn ich hatte sie gelegentlich auf dem Pfad gesehen, wankend und sich am Stock festhaltend, auf ihrem Kopf immer eine kleine Kalebasse balancierend, die bebte und rutschte, wenn die alte Frau zitterte, und dennoch wunderbarerweise nie herunterfiel.

Udamas heisere Gefährtin schob sich in die Mitte der versammelten Expertinnen. Amara lag zurückgelehnt in einem schrägen Holzstuhl, ihr Kopf hing seitlich herunter, die Augen waren geschlossen. Ihre Mitfrau stützte sie. Die Hebammen debattierten laut und geschwätzig und fragten Yabos Hauptfrau nach Details, unterbrachen ihre Antworten und waren sich nur einig in der Ablehnung ihrer Behandlung.

Yabo tauchte mit einem Bündel von Pflanzen in der Hand dicht neben mir auf. Er schrie die Hebammen nieder und verlangte meine Medizin. "Ich habe keine", sagte ich laut und zu ihnen allen. "In unserem Land ist die Geburt eines Kindes gleichfalls die Sache von alten, erfahrenen Frauen und von Ärzten." Nur Amaras Verwandte schienen enttäuscht. Die alten Frauen schauten eher erleichtert, dass sie weiterhin das Kommando behalten durften. Sie nahmen ihre Konsultationen wieder auf.

Inzwischen zerdrückte Yabo die Pflanzen in einem Topf, goss Wasser darüber und hieß eine der Frauen, ihn auf das Feuer zu setzen. Als ich die Namen der Zutaten aufschrieb, fügte er hinzu, dass diese Medizin mit einer Magie zusammenhing, die meistens bei schwierigen Geburten angewandt wurde; es hatte wenig Sinn, die Zeremonie ohne die positive Diagnose des Wahrsagers auszuführen, doch es konnte nicht schaden, ihr die Medizin zu verabreichen. Möglicherweise könnte sie helfen.

Die Hebammen hatten eine Übereinstimmung erzielt: Nicht eine Übereinstimmung über die Behandlungsmethode, sondern nur darüber, dass jede von ihnen ihre eigenen Medizinen anwenden sollte. Eine hatte begonnen, Amara mit grausam steifen Fingern zu massieren, bei deren Berührung Amara wimmerte. Einige andere hatten sich im Busch zerstreut, um Wurzeln, Blätter und Gräser zu sammeln, aus denen sie jene Medizinen bereiten wollten, die sie als die wirksamsten befunden hatten. Bald war das Gehöft voll Geschäftigkeit. Die alten Frauen verlangten Töpfe, Mörser und Stößel und die palettenähnlichen Platten aus glattem, dunklem Stein, auf denen man Schnupftabak und Medizin mahlt.

Ich wanderte von einer zur anderen. Ich versuchte, meine ganze Aufmerksamkeit auf die Pflanzenrezepte zu konzentrieren. Es betrübte mich, Amara anzuschauen. Eine Frau bereitete einen öligen Brei, der auf Amaras Unterleib geschmiert werden sollte; er würde allmählich eindringen und ihre Muskeln stärken. Eine andere produzierte eine glitschige Salbe, um den "Pfad des Kindes" einzufetten und leichter zu machen. Die meisten von ihnen bereiteten Medizinen, die Amara trinken sollte: Einige sollten heftige Wehen hervorrufen, andere wiederum der Mutter Kraft geben, ihre Schmerzen zu ertragen. Das zitternde alte Weib kochte drei Arten von Rinden mit viel Pfeffer zu einem dicken, rötlichen Brei, der ekelerregend roch; das war die wichtigste ihrer Medizinen, denn sie war mit der einzigen Magie verbunden, die von Frauen kontrolliert wurde, und sie würde Amara weit mehr als diese anderen, rein weltlichen Mittel helfen.

Als sie ihre Medizinen fertig hatten, flößte jede Hebamme Amara ihr Gebräu ein. Nach der vierten Kürbisflasche klagte Amara, dass sie sich krank fühlte. Ihre Proteste brachten nur noch einen weiteren Trank herbei, der, wie man ihr versicherte, ihren Magen wieder einrichten würde. Wann immer ihr armes Opfer die Lippen schloss und nicht schlucken wollte, begannen sie zu rufen. "Trink, mein Kind. Es ist Medizin. Trink." Sie ließen ihr solange \ keinen Frieden, bis alle Tränke geleert waren.

Udama zog mich von Amaras Seite. "Die Medizinen werden Zeit brauchen, bis sie zu der Stelle des Körpers vorgedrungen sind, wo sie wirken sollten. Komm, Rotfrau." Sie zog mich in Yabos Empfangshütte. Die anderen Hebammen folgten und ließen Amara unter der Obhut ihrer Mitfrau zurück. Drinnen waren Yabo, Amaras Ehemann, ihr Vater Lam, alle Männer des Gehöftes und Yabos jüngerer Bruder von derselben Mutter, Yilabo, der vor Jahren nach bitterem Streit mit Yabo ein eigenes Gehöft gebaut hatte. Sie waren in ernster Beratung. Es war an der Zeit, zu einem Wahrsager zu gehen. Lam und Amaras Ehemann wollten sofort aufbrechen. Die anderen rieten zu warten, bis die Hebammen es für notwendig hielten.

Bald darauf kam ein Ruf von Amaras Mitfrau. "Die Medizin hat zu wirken begonnen." Wieder versammelten sich die Hebammen um Amara, ermutigten sie, massierten sie, flößten ihr neue Tränke ein, hoffnungsvoll und vertrauensvoll. Die Stunden vergingen, Amara, die nun ganz erschöpft war, konnte auf ihre Rufe nicht mehr antworten. Sie schien sich von ihrem Körper zu lösen und ihr Körper von seiner Aufgabe, bis da nur mehr eine träge Masse war, die sich unserem Einfluß entzog.

Udama ging ernst zur Empfangshütte. Aufrecht draußen stehend, rief sie Yabo zu. "Die Sache ist zu groß für uns. Sie ist eure Sache geworden."

Lam und Amaras Ehemann kamen sofort heraus. Wortlos griffen sie nach ihren Speeren, die gegen das Strohdach der Empfangshütte gelehnt waren. Wortlos machten sie sich auf den Weg zum Wahrsager.

Udama wandte sich mir zu. Nüchtern sagte sie: "Geh, iß dein Essen, Rotfrau. Kehre dann zurück. Nichts wird geschehen, während du weg bist, denn es gibt nichts, das wir tun können. Es ist Magie bei dieser Sache, vielleicht Hexerei. Die Welt wurde so geschaffen, dass die Frau ihre Kinder gebiert, wie das Feld seine Früchte hervorbringt. Nur das Böse, das vom Menschen gewollt wird, kann es verhindern. Wenn die Ältesten dieses Böse nicht ausfindig machen und entfernen, kann ihr keine Medizin helfen."

Ich beugte mich über Amara. Sie versuchte, mich anzulächeln. Sie war sehr krank. Ich war überzeugt, dass diese Frauen ihr nicht helfen konnten. Sie würde sterben. Sie war meine Freundin, doch meine Grabschrift für sie würden unpersönliche Bemerkungen sein, die ich in mein Notizbuch schrieb, die Erinnerung an sie würde in den Aufzeichnungen einer Ethnologin bewahrt werden: "Tod (im Kindbett) / Ursache: Hexerei / Fall Amara." Eine Vorlesung, die ich seinerzeit hatte, kam mir vorwurfsvoll wieder ins Gedächtnis. "Der Ethnologe kann nicht, wie der Chemiker oder Biologe, die Bedingungen für kontrollierte Experimente herstellen. Wie der Astronom, kann er nur beobachten. Doch anders als beim Astronomen ruft seine bloße Gegenwart Veränderungen in den Daten hervor, die er zu beobachten versucht. Er selbst ist ein störender Einfluss, den er auf ein Minimum reduzieren muß. Sein Anspruch auf Wissenschaftlichkeit muss deshalb auf der sorgfältigen Genauigkeit seiner Beobachtungen und auf der kühlen, objektiven Handhabung seiner Daten beruhen."

Eine kühle, objektive Handhabung von Amaras Tod?

Man kann vielleicht kühl bleiben, wenn man sich mit Fragebögen beschäftigt oder Fremde interviewt. Doch was soll man tun, wenn man seine Daten nur sammeln kann, indem man persönliche Freundschaften schließt? Es ist sehr schwer, an einen Freund als an eine Fallgeschichte zu denken. Sollte ich abseits stehen und den Lauf der Ereignisse beobachten? Vom beruflichen Standpunkt aus konnte es kein Zögern geben. Ich würde sonst möglicherweise nie die Zeremonien, die mit dem Tod im Kindbett verbunden sind, sehen können.

Ich ging zu Yabo hinüber. "Willst du, dass Amara am Leben bleibt?"

Yabo grunzte seine Zustimmung, um mich auszuhorchen.

"Es gibt Ärzte, die sowohl ihr Leben, als auch das ihres Kindes retten können. Sie haben stärkere Medizinen als ihr, um das Kind zur Welt zu bringen. Wenn diese nicht ausreichen, dann wissen sie, wie man in die Bauchhöhle dringen kann. Sie können sogar den lebenden Körper öffnen, das Kind herausholen und dann die Mutter heilen. Ich werde einen Boten mit dem Rad zum Krankenhaus schicken und einen zweiten um einen Lastwagen. Ich werde Träger bezahlen, um Amara die Straße hinaufzutragen, bis der Lastwagen sie aufnimmt. Ich werde ein Papier für das Krankenhaus schreiben, damit sie ihr dort die beste Medizin geben, und ihnen mitteilen, dass ich alles bezahlen werde. Ich habe dir immer die Wahrheit gesagt, Yabo, und ich spreche auch jetzt die Wahrheit. Gib mir meine Freundin Amara, dass sie und ihr Kind leben können. "

Yabo sprach freundlicher, als ich ihn jemals sprechen gehört hatte, doch mit unbeirrbarer Entschlossenheit. "Du bist Amaras Freundin, und dein Herz wünscht ihr Gutes. Ich bin dankbar. Ich will sogar glauben, was du von deinen Ärzten sagst. Doch können deine Ärzte die Magie entfernen? Können deine Leute mit unseren Hexen fertig werden? Diese Dinge kann ich tun, doch sie können es nicht. Wenn diese Dinge nicht getan werden, wird das Kind meines Bruders sterben. Amara bleibt hier."

Ich stritt mit ihm, leidenschaftlich. Die Zeremonien konnten für Amara auch in ihrer Abwesenheit ausgeführt werden, auf einem Tuch, das sie oft trug. Die Magie würde weniger wirkungsvoll sein, doch sie würde genügen, um das Übel bis zu ihrer Rückkehr abzuhalten, besonders wenn sie unterdessen unsere Medizin haben könnte. Es würde ihn weder Mühe noch Geld kosten.

Yabo wurde dadurch nicht wankend, aber er wurde ungeduldig. Nichts, was ich sagen konnte, bewegte ihn. Ich war nur lästig. Als ich nicht zum Schweigen zu bringen war, hörte Yabo mir einfach nicht mehr zu und zwang mich, seine Weigerung zur Kenntnis zu nehmen, indem er ein lautes Gespräch mit seinem Bruder Yilabo begann.

Besiegt, saß ich weiter bei Amara; den ganzen Tag war ich gezwungen, zuzusehen, wie sie litt und wie sie ständig schwächer wurde. Ich hörte den Bericht des Wahrsagers und sah, wie die Boten abgesandt wurden, um die Experten in jener Magie herbeizuholen, die Yabo selbst nicht ausführen konnte. Ich sah Yabo Küken opfern, rituelle Bewegungen machen und Amara mit Opferblut salben, wozu er die magischen Beschwörungen murmelte. Yabo tat sein Bestes, wie Undus Vater. Aber es konnte nicht helfen, und sie erlaubten auch mir nicht zu helfen. Schweigend und bitter ging ich fort, als die Nacht hereinbrach.

Ich kehrte am nächsten Tag bei Sonnenaufgang zurück. Die Hebammen waren noch nicht wieder da, doch Yilabos Frauen waren gekommen, und alle Frauen von Yabos Gehöft saßen in der Empfangshütte und warteten. Sie saßen um Amara herum, die auf der Holzpritsche lag. Sie war gerade noch am Leben. Ihre Mitfrau hielt ihren Kopf in ihrem Schoß. Ihr Ehemann war weggegangen, um seine Altersgruppe zu rufen, die ihn verteidigen sollte, falls er beschuldigt würde, seine Frau getötet zu haben, oder ihn unterstützen sollte, wenn er andere dieser Tat beschuldigte. Denn der Wahrsager hatte entdeckt, dass vier Männer Grund gehabt hatten, Amara zu behexen. Ihr Vater Lam, ihre beiden Onkel Yabo und Yilabo und ihr Ehemann. Aufgrund dieses Befundes mussten die Ältesten die Hexe identifizieren sowie die Streitigkeiten und Fehden schlichten, die die Hexe zu dieser Handlung getrieben hatten.

Am frühen Morgen kamen die Ritualspezialisten, die Yabo gerufen hatte, einer nach dem anderen. Jovial, einige von ihnen wie kernige Landärzte, machten sie ihre Witze und strahlten Zuversicht aus, als sie die Hälse von Küken aufschlitzten und Schlamm, Blut und Federn auf die Ritualsymbole und auf Amaras Nabel schmierten. Die meisten von ihnen waren würdige alte, in zerrissene Togen gekleidete Männer, die ernsthaft und gewissenhaft die Befunde des Wahrsagers zur Kenntnis nahmen und feierlich ihre Gesänge murmelten. Alle verschrieben sie nach Beendigung des Rituals pflanzliche Medizinen, die mit den Zeremonien, die sie durchgeführt hatten, in Zusammenhang standen, und überwachten ihre Mischung.

Jedesmal hob die Mitfrau Amaras Kopf. Jedesmal hielt ihr Yabo den Trank an die Lippen. Jedes Mal riefen sie Amara an, wie jemanden, der weit weg ist, so lange, bis sie die Augen öffnete und schwach die Medizin schluckte. Jedesmal mußten sie lauter und stärker rufen, um sich verständlich zu machen. Und jeder der Ältesten nahm, sobald er mit seiner Aufgabe zu Ende war, seinen Speer, den er gegen den Eingang gelehnt hatte, und verließ das Gehöft. Das setzte mich in Erstaunen, denn üblicherweise versammelten sich die Ältesten, wo immer es eine ernste Krankheit gibt, und genießen nichts mehr als magische Konsultationen.

Yabos ältester Sohn betrat die Empfangshütte. "Sie weigern sich."

"Sie können sich nicht weigern." Yilabo war ein dünner, erregbarer Mann, ähnlich veranlagt wie sein Bruder Yabo, doch ohne/ Yabos Vitalität und Intelligenz.

"O mein Vater", begann Yabos Sohn formell, um sich von jeder i Verantwortung für die Botschaft, die er überbrachte, zu distanzieren, "die Ältesten sagen alle, dass du ihren Rat in der Vergangenheit, verschmäht hast. Deshalb wollen sie jetzt nicht kommen, um dir zu raten und beizustehen." Er verdrückte sich schnell, um Yabos Verdammungen der Ältesten als feige, boshafte Dummköpfe und rückgratlose Gefolgsleute dieses lächelnden Schurken Kako auszuweichen. Yabo verfluchte seinen Sohn als Stümper und leicht einzuschüchternden Idioten, während Yilabos krähende Stimme Yabo wegen seiner verächtlichen Art ausschalt, die ihm die Ältesten entfremdet hatte. Die Frauen rührten sich unbehaglich; wer würde nun Amara vor ihren engsten Verwandten beschützen, vor jenen, die ihr Leben schützen sollten, aber die Kraft hatten, ihren Tod zu' verursachen? Sie berieten sich leise miteinander.

Yabo war der erste, der seine Fassung wiedergewann. Er erhob sich, wobei er die Empfangshütte völlig dominierte; seine mit Rot-ii holz bestrichenen Füße leuchteten rot im Sonnenlicht, das schräg durch die Tür fiel, sein Gesicht und sein Körper blieben im schwachen Licht, das innen herrschte. "Es gibt vier unter uns, die diese; Sache gewollt haben können. Wenn Amaras Mann zurückkehrt, werden wir alle hier sein. Dann werden wir es unter uns selbst ausmachen. Ich, Yabo, verbiete Amaras Tod. Ich bin stärker als ihr alle, und ich verbiete ihn. Die Weigerung der Ältesten ist daher unwesentlich. Trotzdem", fügte er hinzu, "werden sie diese Beleidigung, die sie mir zugefügt haben, noch bereuen."

Vielleicht sah keiner unter uns überzeugt aus. Yabo, der ein kleiner Mann war, schickte, wenngleich er sich gewöhnlich nicht um das Wohlbefinden seiner Gäste kümmerte, seine Frauen weg, um Essen zu kochen. Er befahl Lam, eine Medizin zuzubereiten, die er, Yabo, bis jetzt in Reserve gehalten hatte. Dann veranlasste er Yilabo, die Magien aufzuzählen, die sie besaßen, um zu sehen, ob irgendeine möglicherweise wirkungsvolle Zeremonie noch nicht durchgeführt worden war.

Aus diesem Grunde fanden Amaras Mann und seine Altersgenossen bei ihrer Ankunft ein Festessen für sich vor. Sie waren vermutlich gekommen, um anzuklagen. Doch sie begannen gierig zu essen. Während sie sich mit Haferbrei, Huhn und Sesamsoße vollschlugen, erzählte ihnen Yabo geschickt von dem schändlichen Benehmen der Ältesten, die sich geweigert hatten zu kommen, von seiner eigenen unermüdlichen Wachsamkeit und Sorge, von der Medizin, die Lam bald für seine Tochter fertig haben würde und von den Riten, die Yilabo dann ausführen würde. Amara, so sagte er, schlief nur; wenn sie nur wieder zu Kräften käme, gäbe es nichts mehr zu befürchten.

Als die Frauen die leeren Töpfe und Kalebassen entfernt hatten, zerteilte Yabo einige Kolanüsse und reichte den jungen Männern Pfeifen. Satt und zufrieden lehnten sie sich zurück, um zu sehen, was geschehen würde. Nur Amaras Ehemann war noch angespannt und misstrauisch. Yabo strahlte guten Willen und Vertrauen aus, als er Lams Medizin inspizierte.

Doch Amara antwortete nicht mehr auf die Stimme ihres Vaters, als er sie zu wecken versuchte, um ihr die Medizin einzuflößen. "Sie schläft nicht, und trotzdem hört mich mein Kind nicht." Es war Angst in seiner Stimme.

"Flüstere nicht", schnaubte Yabo. Er schob Lam beiseite, schüttelte Amara, schlug ihr ins Gesicht und brüllte ihr dabei ins Ohr: "Amara, Amara, trink!" Er rüttelte sie noch einmal. Als man ihren Kopf hob, hielt Yabo ihr die Kalebasse an die Lippen und sprach beinahe einschmeichelnd zu ihr, während er ihr die Flüssigkeit in kleinen Mengen in den Mund schüttete.

Yabos Hauptfrau stand dabei und beobachtete Amara genau. "Sie könnte noch am Leben bleiben", stieß die alte Frau hervor, "wenn ihr Männer eure Angelegenheiten nur jetzt und schnell besprechen würdet. Wenn ihr es hinausschiebt, wird sie nicht mehr die Kraft haben, das Kind zu gebären."

Das Vertrauen, das von Yabo so sorgfältig hergestellt worden war, war schon wieder verschwunden.

"Du bist es" - Amaras Mann zeigte anklagend auf Yabo - "du bist es, der der Vormund meiner Frau ist. Es ist Mißgunst in deinem Herzen, weil du einen größeren Brautpreis hast haben wollen, als vereinbart war. Das Gericht wollte mir meine Frau nicht wegnehmen, deshalb hast du sie in deinem Zorn und deiner Eifersucht behext, damit ich dir mehr zahle, wenn ich sie so todkrank sehe."

Während seiner verworrenen und heftigen Anklage unterstützten ihn seine Altersgenossen mit Rufen wie: "Hört, hört!" - "Das ist richtig!" — "Er spricht die Wahrheit." Und als er fertig war, sprang einer von ihnen auf und rief: "Lasst die Frau unseres Altersgenossen in Ruhe. Wir werden es nicht erlauben." Yabo gab zu, dass er mehr Geld haben wollte, doch er stritt ab, dass er es war, der Amara behexte. "Du", beschuldigte er ihren Ehemann, "du tötest das Kind in ihrem Bauch, denn du willst, dass sie krank ist und dass ich deshalb meinen Anspruch fallenlasse." Seine Gegenanklage war brillant. Es gab nur einen Weg für Amaras Ehemann, sich von jedem Verdacht zu befreien; wenn er zugab, dass er für Amaras Brautpreis noch Geld schuldig war, dann bewies er damit, dass er noch nicht die Gewalt erworben hatte, das Kind, das sie trug, zu behexen. In beiden Fällen gewann Yabo.

Anklage und Gegenanklage. Die Männer riefen, drohten, verwahrten sich und beschuldigten. Wann immer sie eine Pause machten, drängten die Frauen: "Einigt euch, einigt euch, damit unsere Tochter leben kann!" - "Einigt euch, dass eure und meine! Frau leben kann!"

Amara konnte noch gerettet werden, wenn sie nur alle ihre Feh*' den begraben könnten und mit diesen alle möglichen Motive, sie zu behexen. Hexerei kommt aus dem Herzen, manchmal ungev wollt, sie kann nur aufhören, wenn das Herz der Hexe von allem Hass und Groll befreit wird. Hat die Hexe ein gerechtes Motiv? Entfernt es schnell. Eine Hexe kann in der Tat gezwungen werden aufzuhören. Die Anwendung physischer Gewalt ist gefährlich in diesen kolonialen Tagen. Es war schon ein Mann wie Ihugh nötig, um den Hexen mit Gewalt zu drohen und sie auch zu überzeugen, dass er sie ohne Rücksicht auf die Konsequenzen gebrauchen würde. Niemand hier würde das wagen. Und nur die Ältesten, wenn sie zusammensitzen und einer Meinung sind, können genug Hexenkraft ausüben, um erfolgreich das Feuer mit dem Feuer zu bekämpfen. Doch die Ältesten hatten es abgelehnt, zu kommen.

Nur die Frauen wären vollkommen frei von jedem Verdacht. Sie waren einhellig und entschlossen der Meinung, dass Amara gerettet werden müsse. Selbst wenn die Sache der Hexe eine gerechte wäre, sollte sie davon Abstand nehmen, damit Amara leben könnte. Doch obwohl jeder der Verdächtigten - Vater, Ehemann und Onkel - gerne seine Interessen für ihr Leben geopfert hätten, wusste jeder von ihnen, dass das Opfer sinnlos wäre, weil jeder von ihnen wusste, dass er ihr auf keinen Fall den Tod wünschte.

Yabo wusste, dass nicht er es war, der Amara tötete. Warum sollte er daher auf seinen Anspruch auf einen größeren Brautpreis für sie verzichten? Das konnte ein Motiv sein, doch er wusste, dass er selbst nicht der Schuldige war. Solange er jedoch auf seinem Standpunkt beharrte, verdächtigten ihn die anderen, die sich selbst auch unschuldig wussten, wiesen seine Gegenbeschuldigungen entrüstet zurück und weigerten sich ebenso standhaft, nachzugeben.

Die Frauen drängten zur Eile, indem sie die Männer zwangen, Amaras bewegungslose Gestalt anzuschauen. Jedes Mal wenn sie sie anschauten, gab einer von ihnen plötzlich nach. Yabo senkte seinen ursprünglichen Preis. Amaras Ehemann zahlte auf der Stelle. Gemeinsam führten sie das kurze Versöhnungsritual aus, indem sie Wasser tranken und es wieder ausspuckten. Lam gab zu, dass er es Yabo übelgenommen hatte, dass er seine Tochter zu einer Zeit als Heiratsmündel angenommen hatte, als er selbst ohne Frau war und auch ohne die Mittel, sich eine solche zu beschaffen. Yabo überließ eines seiner Heiratsmündel Lam. Yabo gab zu, dass er Lam sein Verhalten bei Atakpas Entführung übelgenommen hatte. Yilabo und Yabo griffen den alten Streit wieder auf, der daran schuld war, dass sie getrennt lebten. Wieder flammte ihr Zorn auf. Wieder traten die Frauen dazwischen. Wieder blickte die auf Amara, die sie liebten. Wieder opferte jeder seine eigene Interessen, damit sie am Leben bliebe. Und wieder machten si einige Kompromisse und versöhnten sich miteinander.

Amara ging es trotzdem nicht besser. "Ihr sprecht mit gespaltenen Zungen", klagten die Frauen. "Da ist noch etwas. Regelt es und begrabt euren Hass, sonst wird Amara sterben."

Sie waren an einem toten Punkt angekommen. Es gab offen sichtlich keine Motive mehr. Wenn es tatsächlich keine andere Ursache gab, dann wurde Amara getötet, um diese entsetzliche Lust zu befriedigen, von der einige Hexen bessen sind, von dem!, Wunsch, zu töten und den Körper des Opfers zu fressen.

Die Gabe, zu behexen, ist gefährlich, doch sie ist eine allgemein menschliche Fähigkeit und kann wie jede andere Waffe für viel Zwecke verwendet werden. Ein guter Mensch verwendet Hexerei nur als letztes Mittel, und auch dann nicht, um zu töten. Doch es gibt Hexen, die es freut, dass man sie fürchtet, die gerne töten und die es nach menschlichem Fleisch gelüstet. Solche Menschen werden gefürchtet und gehasst. Sie sind einsam.

Alle wandten sich um und starrten Yabo an. Hier war de Mann. Es stand in ihren Augen geschrieben.

Yabo sah es. Er wandte sich schnell an seinen leiblichen Bruder Yilabo mit dem Vorwurf: "Wie kann sich unsere Nichte erholen, wenn du die Zeremonie verzögerst?"

Wir alle hatten die Zeremonie vergessen und fühlten uns deshalb schuldig, niedergeschlagen und erleichtert zugleich. Während Yilabo die Kräuter und die magischen Geräte auf ihren Platz stellte, begann Yabo mit einer unzusammenhängenden, scheinbar belanglosen Ausführung über Familiengeschichten und zählte alle' Frauen und Kinder, Schwestern und Heiratsmündel zweier vergangener Generationen auf. Noch einmal hatte er die ansteigend Spannung gebrochen; da ich dachte, dass dies der einzige Zweck seines gemächlichen Diskurses wäre, richtete ich meine ganze Aufmerksamkeit auf Yilabos rituelle Verrichtung.

Yilabo jedoch lauschte Yabo. Selbst während er die magische Gesten machte, unterbrach er ihn mit seinen eigenen Kommentaren und Meinungen. Als er fertig war und den Saft einiger Pflanze in eine Wasserkalebasse quetschte, war er in einen hitzigen Streit mit Yabo verwickelt. "Nein, du irrst dich. Sie war nicht sein Mündel, sondern das seines Onkels."

Amaras Ehemann und seine Altersgenossen begannen, ihren Kommentaren mit Interesse zu folgen. Lam brachte seine eigenen Versionen vor, doch er wurde prompt von den beiden Brüdern auf seinen Platz verwiesen. "Du, du warst damals ein Knabe."

"Vielleicht", erwiderte Lam, "doch Amara ist meine Tochter."

Yilabo, der ungemein erregbar war, machte gereizte, nervöse Gesten. Die nassen Kräuter waren noch in seiner Hand; Amara und ich wurden mit bitterem Wasser angesprüht. "Seht ihr nicht, was Yabo tut? Er will, dass ihr glaubt, was er sagt, damit ihr nicht meint, er habe einen Grund, mir diese Frau zu neiden, die ich von unserem Vater geerbt habe. Er war deswegen immer eifersüchtig auf mich. Das ist der Grund, warum er eure Tochter behext."

Das Gemurmel der Altersgenossen schwoll an. "Ja, es sind Amaras Verwandte, die sie behexen." - "Es ist Eifersucht wegen Frauen."

Amaras Mann sprang auf. Er zeigte auf Yabo und rief: "Ich frage dich, ich verlange, dass du sagst, welche Bitterkeit in deinem Herzen ist."

Yabo wartete, bis es still war. Dann lehnte er sich in seinem Stuhl zurück und fragte laut: "Warum sollte ich mein eigenes Mündel aus Hass gegen Yilabo behexen? Was ist sie für ihn? Nichts." Er zeigte mit seinem Pfeifenstiel auf Yilabo. "Du bist es, der eifersüchtig auf mich ist, weil ich der Älteste bin und den größten Teil der Erbschaft bekommen habe. Du behext Amara."

Yilabo ließ die Kalebasse fallen. Sein Körper zitterte, und sein Gesicht war vor Wut verzerrt. "Du bist es! Du!" Wieder beschuldigte er Yabo. Wieder wendete Yabo jede Beschuldigung zu seinem eigenen Vorteil.

Es mußte einer der beiden sein. Amaras Ehemann hatte sich gerechtfertigt. Lam war ein zu schwacher Charakter, um wirklich verdächtigt zu werden. Yabo oder Yilabo, welcher? Wir waren vom Duell zwischen diesen beiden vollkommen in Anspruch genommen. Nur Amara lag da und wußte nichts von dem Kampf um ihr Leben.

Yabo war von einer tödlichen Ruhe; jedes Wort von ihm traf. Yilabo schlug wild und planlos um sich. Er war kein Gegner für Yabo. Yabo rührte sich nicht von seinem Stuhl. Er überschrie Yilabo, setzte sich über seine Verteidigungsreden hinweg, zeigte sich unverwundbar gegen seine Angriffe - doch gerade diese Überlegenheit war ein Beweis, dass er die größere Hexenkraft besaß

Yilabo war nicht mehr in der Lage, zusammenhängend zu argumentieren; er schrie willkürliche Anschuldigungen heraus und machte Yabos Bosheit für jedes Unglück verantwortlich, das ihn je befallen hatte. Ständig wiederholte er: "Du, du bist es, der Amara tötet, du! Dul" Yilabo stand über Yabo gebeugt, am ganzen Körper vor verzweifelter Leidenschaft bebend.

Auch ich hatte zu zittern begonnen. Hier war es kein Trost, dass Hexen nur Menschen waren. Gerade darin lag die Tragödie. Diese Männer waren vor Schmerz zerrissen, sie versuchten das Leben jemandes zu retten, den sie liebten. Amara könnte am Leben bleiben, wenn sie nur ein Geständnis von der Hexe erzwingen konnten. Jeder wusste, dass er selbst unschuldig war. Jeder wußte, dass sie beide unschuldig waren. Ich sah zu, wie jeder der beiden sich verzweifelt bemühte, den anderen zu brechen, sein Geständnis zu erzwingen, um Amara zu retten. Ich wusste, dass sie das nicht konnten. Ihr Kampf war um so schrecklicher für mich, weil er vergebens und gegen Schatten gekämpft wurde.

Sie waren mittlerweile außer sich; wenn die Hexe nicht sofort von ihrem Tun ablassen würde, würde es zu spät sein.

Wieder brachte Yabo eine Beschuldigung vor, mit tödlichem Effekt. Yilabo wurde aschgrau und zitterte, sein Mund formte Worte, die wir nicht hören konnten. Wir schrien auf. Yilabos Dolch blitzte aus der Scheide, als er sich auf seinen Bruder stürzte, der schutzlos in seinem Stuhl saß.

Irgendwie bekam Yilabos Frau ihn am Gelenk zu packen. Yabo entschlüpfte der Gefahr. Yilabos Knie gaben nach, während er den Dolch anstarrte. Langsam öffnete sich seine Hand. Er sah sie an, als ob es nicht seine Hand wäre, nicht seine Tat, nicht sein Wunsch. Er starrte noch immer fragend auf seine Frau, die ihm diej Waffe wegnahm.

"Deinen eigenen Bruder." Ein eisiges Flüstern. "Deinen eigenem Bruder, der dich gepflegt hat, als du ein Kind warst. Du würdest deinen eigenen Bruder getötet haben." Niemand bewegte sich in der Empfangshütte, kein Laut war zu hören, außer Yilabos hartem Atem. Der Augenblick der Erkenntnis ist unendlich.

Amaras Ehemann erhob sich, langsam. Bedächtig nahm er seine Toga von den Schultern. Bedächtig drehte er den Stoff zusammen und wand ihn um seine Hüfte zum Zeichen des Krieges oder der Trauer. Wir starrten ihn verständnislos an. Dann, plötzlich, angstvoll, schauten wir auf Amara. Die Frau, die neben ihr kauerte, antwortete uns: "Sie lebt noch."

"Sie wird sterben", die Stimme ihres Mannes klang mehr nach Krieg als nach Trauer. "Einer von euch beiden tötet sie. Hat nicht vor unseren Augen der Bruder den Bruder töten wollen? Zu welcher Übeltat seid ihr nicht fähig? Sie ist meine Frau. Ich stimme nicht zu. Gesteht! Oder meine Altersgenossen und ich werden euch beide zum Gottesurteil zwingen."

"So sei es." Yilabo lächelte. "Mein Huhn wird Gift trinken, doch es wird am Leben bleiben, um meine Unschuld zu bezeugen. Dann, wenn Yabo noch immer nicht ablässt, könnt ihr ihn prügeln und Pfeffer in seine Augen reiben."

"So sei es." Mit einem furchtbaren Blick auf seinen Bruder legte Yabo gleichfalls das Gewand des Krieges und der Trauer an.

Doch sie hatten Angst. Sie wollten einen Aufschub, Zeugen, Älteste. Sie standen im Hof, stritten und weigerten sich, zu beginnen.

Amaras Ehemann wandte sich an seine Altersgenossen mit einem leidenschaftlichen Appell: "Sie töten meine Frau! Bringt sie zum Gehen!" Die jungen Männer kreisten die beiden Ältesten ein.

Yabo hob seinen Speer. "Ihr wagt es?" brüllte er. "Wagt es ja nicht!"

Ich schrie auf, als sie auf ihn stürzten, und schluchzend sah ich, wie die lärmende Menge die beiden alten Männer aus dem Gehöft stieß und sie den Pfad hinunter zum Meister des Gottesurteils schleppte.

Meine Knie zitterten. Ich fürchtete mich, mit ihnen zu gehen. Ich zwang mich, den Pfad zu betreten und ihnen zu folgen. Amaras Ehemann kam zurück. Er sah mich. "Überlass das meinen Altersgenossen. Du kommst mit mir zurück und wachst bei meiner Frau. Sie wird sterben. Hilf mir, ihren Körper zu bewachen. Er wird siel töten. Ich kann es nicht verhindern. Doch er wird sie vergebens getötet haben. Er wird ihren Körper nicht fressen." 

Es war dunkel in der Empfangshütte und sehr still. Die Frauen wachten noch immer bei Amara. Ihre Mitfrau saß noch immer bei ihr.

Der Mann sah hinab auf seine sterbende Frau. Ein Mann darf; seine Frau niemals beim Namen nennen. Er darf sie in der Öffentlichkeit nie berühren. Dieser Mann kniete neben seiner Frau nieder. "Kind von Lam."

Sie rührte sich nicht.

Zögernd legte er seine Hand auf ihre Stirn. "Amara, Amara." Vielleicht glaubte er, dass sie ihn hörte, denn er fügte tapfer hinzu:  "Nichts wird dir geschehen, Amara, meine Frau." Er hielt ihre Hand in der seinen.

Wir blieben weiter sitzen und warteten schweigend, dass Amara starb.

 

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Christoph Gäbler 21.07.2010