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Das Bildnis des Dorian GrayVon Oscar WildeInhaltEs ist der Traum eines jeden Menschen, nicht altern zu müssen. Für den jungen, aufstrebenden Dorian Gray geht dieser Traum auf mysteriöse Weise in Erfüllung. Nachdem der Maler Basil Hallward ihn für einen Freund portraitiert hat, geschieht das Unglaubliche: Während das Gesicht auf dem Bild von Tag zu Tag älter wird, scheint Dorian ewig jung zu bleiben. Jahr um Jahr geht ins Land, doch sein Gesicht ist immer noch das eines wunderschönen Jünglings. Sein blendendes Aussehen verschafft ihm Erfolg bei Frauen und Männern, die allesamt fasziniert sind von seiner unvergänglichen jugendlichen Schönheit. Er verkehrt in den besten Gesellschaftskreisen, verbringt Stunden vor dem Spiegel, um sich herauszuputzen, und führt das mondäne Leben eines Dandys. Doch Dorian hat auch etwas Beunruhigendes. Je länger der Spuk dauert, desto verwunderter fragen sich die Leute, was es mit seiner unvergänglichen Jugend auf sich hat. Der Maler Hallward sucht nach seinem Portrait von einst, und Dorians Geheimnis droht entdeckt zu werden. Doch das kann Dorian nicht zulassen. Was als Traum ewiger Schönheit begonnen hat, wird zum Albtraum... Rezension aus der Süddeutschen ZeitungSpiegel der geschundenen SeeleVon Gottfried Knapp
Wer heute, ein Jahrhundert nach den Bild-Exaltationen des Symbolismus, die literarischen Facetten von Wildes Prosawerk genießen will, tut gut daran, sich auf irritierende Ungleichgewichte einzustellen. Die ausladenden Dialogpartien, die virtuos die Sprechrituale der gehobenen Gesellschaft evozieren, brauchen einen Leser, der bereit ist, sich dem langsamen Fluss der Pointen hinzugeben. Neben diesen Zustandsschilderungen aus Wildes eigener Umgebung nehmen sich die Versuche, proletarisches Milieu zu suggerieren, seltsam unglaubwürdig aus. Wenn man das Kapitel liest, in dem Dorians Ausschweifungen zusammengefasst sind, merkt man, wie tief Oscar Wilde in seiner Zeit und seiner eigenen Person verstrickt war. Sein Held ergeht sich nicht in fleischlichen Orgien, nein, exquisite Textilien und fremde Düfte, Juwelen und exotische Musik sind seine Laster. Das Geschlechtliche spielt keine Rolle; von Fressen und Saufen ist nie die Rede. Umso drastischer bedrängen die brutalen Mordszenen den Leser. Immer dann, wenn Wilde das Geschehen machtvoll weiterdreht, wird die dramatisch-sinnliche Kraft spürbar, die sich später in der "Salome" entladen wird. In der atemlos kurzen Schlussszene glaubt man gar einem cineastischen Spektakel beizuwohnen: Dorian hackt mit dem Messer auf sein blutendes Ebenbild ein; der Gendarm auf der Straße hört einen grässlichen Schrei; die Diener wappnen sich mit Lichtern und stürmen die Treppe hinauf zur verwünschten Tür ... Da ist mehr Kino drin als in allen Verfilmungen des Stoffs. Biographie des Autors
Wilde lebte seit 1879 in London als weit über die Grenzen Großbritanniens hinaus bekannter Exzentriker und geistreicher Dandy. Literarisch war Wilde, der neben dem Roman "Das Bildnis des Dorian Gray" (1891) auch Dramen, Gedichte, Erzählungen, Essays und Kindergeschichten verfasste, äußerst erfolgreich. Doch 1895 kam es zu einem Gerichtsverfahren, in dem ihn der Vater seines Freundes Lord Douglas der Homosexualität bezichtigte. Wilde wurde zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Damit war er sowohl finanziell als auch gesellschaftlich ruiniert. Nach seiner Entlassung ließ er sich in Frankreich nieder, wo er 1900 starb. |
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