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Der MagierVon W. Somerset MaughamInhaltParis um 1900. Die Metropole ist gesättigt von einer Stimmung der Dekadenz und voller eigenartiger Menschen. Der wohl seltsamste unter ihnen ist Oliver Haddo, ein undurchsichtiger Magier. Doch gerade von seiner düsteren Art geht eine große Faszination aus, vor allem auf Frauen. In einem Restaurant begegnen ihm die schöne Margaret Dauncey und ihr Verlobter, der Arzt Arthur Burdon. Das Unheil nimmt seinen Lauf, als sich Margaret sofort in den mysteriösen Magier verliebt. Doch ihr Verlobter gibt nicht auf und versucht alles, um sie zurückzuerobern. Ein Kampf um Treue und Verrat beginnt. Maugham modellierte seinen okkulten Protagonisten Haddo nach dem Bild des damals weltbekannten englischen Magiers Aleister Crowley. Sein Roman, der gewisse Parallelen zu Mary Shelleys "Frankenstein" aufweist, ist eine fesselnde Studie über Liebe und Besessenheit. Rezension aus der Süddeutschen ZeitungDie Zauberkraft des BösenVon Stephan Maus
Die bildhübsche Margaret verbringt vor ihrer Hochzeit ein Jahr bei einer Freundin in Paris. Dort besucht sie ihr zukünftiger Gatte Arthur Burdon, junger Arzt, strenger Rationalist und Pragmatiker – Mr. Five-o’clock-tea himself. In der Bohème treffen sie auf den mysteriösen Oliver Haddo. Diesem manischen Aufschneider werden magische Fähigkeiten nachgesagt – vor allem von ihm selbst. Darüber kann der kühle Arthur nur lächeln. Allerdings nicht lange: Haddo wird ihm Margaret abspenstig machen. Nichts können hässliche Magier besser gebrauchen als hübsche Jungfrauen. Maughams Bohèmegesellschaft spiegelt eine Epoche am Rande des Nervenzusammenbruchs wider. Vor dem Ersten Weltkrieg stauen sich Dämonen düsterer Urzeiten unter dem Klarlack der besten Gesellschaft an, bis die Oberfläche reißt und den modrigen Dunst schwefliger Alchimistenklausen verströmt. In dieser Zeit reist Madame Blavatsky entlang ihrer Schwindel erregenden Ahnenspirale und rückt jeden Tisch, an den sie geladen wird. Der satanische Georg Gurdjew vollführt zur selben Zeit in Paris seine Derwischtänze. Und niemand weiß genau, welche Lebewesen Crowley in seinen Hotelzimmern opfert. Die Gesellschaft mag noch so sehr in die Moderne streben, in charismatischen Persönlichkeiten ballen sich die altertümlichen Dämonen. An dieser überspannten Atmosphäre hat sich Maughams lebhaftes Erzähltemperament entzündet. "Der Magier" ist ein giftig schillerndes Prachtexemplar phantastischer Décadence-Literatur. Hier diskutieren die Künstler über die morbiden Visionen Gustave Moreaus, phantasieren über das abgetrennte Haupt von Johannes dem Täufer, und die kostbaren Kleider der Frauen rascheln so üppig wie Maughams Adjektive. Der Zauberer Haddo murmelt noch einmal sämtliche mittelalterlichen Hexensprüche, und der Magier Maugham beschwört ein letztes Mal den Formelsatz aus den phantastischen Romanen des neunzehnten Jahrhunderts. Bevor die Moderne endgültig ihr Formenlaboratorium explodieren lässt, gibt sich Maugham noch einmal mit schwelgerischem Herzen der großen schwarzen Erzählkunst hin. Und die beherrscht er meisterhaft. Alles Streben des Hexers Haddo gilt der Erschaffung von Homunculi in der Tradition des Oberalchimisten Paracelsus. Mit Oliver Haddo hat der Erzählmagier Maugham einen fleischigen, vitalen Prosahomunculus Balzacschen Ausmaßes erschaffen, der sich von Crowleys verwirrten Lebensgeistern nährt. In seinem "Magier" lädt Maugham zu einem atemberaubenden Parforceritt durch die grotesken Seelenlandschaften der Gothic-Literatur. Biographie des Autors
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