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Der VerfolgerVon Julio CortázarInhalt
Julio Cortazars Erzählung "Der Verfolger" (1958) ist die nur leicht verhüllte Biografie des Ausnahmemusikers Charlie Parker, der in den Vierziger- und Fünfzigerjahren die Jazzmusik revolutionierte. Sie bietet einen idealen Zugang zu Cortazars surrealen Welten und phantastischen Seelenlandschaften und fesselt den Leser bis zum Schluss mit immer neuen bizarren Einfällen. Rezension aus der Süddeutschen ZeitungSolo für einen BesessenenVon Roger WillemsenEin wahrer Getreuer spricht - nebenbei auch Musikkritiker, Biograf, aber vor allem Getreuer bis in den Tod -, er spricht "in memoriam Charlie Parker" von der Größe eines Saxophonisten, hier Johnny Carter genannt, der, "an der Seele völlig zerbeult", im Erleben und Erfahren beschädigt, getrieben, in die Enge, in die Irre getrieben und doch selbst Verfolger des Absoluten in der Musik, seine letzten Lebenstage verschwendet wie in einem musikalischen Rausch, in einem großen Solo, Gestalten, Gedanken, Visionen verzehrend, ein Verlangen herausschreiend, das weit über das Erotische hinaus langt, vielmehr ein Verlangen im Reinzustand ist, ein nimmermüdes, unerschöpfliches, gestaltloses Verlangen, Sehnen, Wünschen, Hungern, in diesem Sinn Verfolger seiend und seine Musik "in einen scheinbar leeren Raum" stellend, unfähig, den Mangel zu befriedigen, fähig, ihn allenfalls zu ändern, ihn umzuwälzen, denn nicht die mögliche Vollendung ist mit seiner Verfolgung gemeint, sondern eine Vertiefung, eine Intensivierung des Forschens "im Gebrauch von Fähigkeiten, die das momentan Menschliche hinter sich lassen, ohne der Menschlichkeit zu entraten", gebündelt in einem Solisten, einem Besessenen, ausgestattet mit der Fähigkeit, so schnell zu spielen, dass mitten im Spielrausch die Zeit elastisch wird und wir länger leben, wie im Auge des Orkans, bevor er sich, das Spiel und uns, die Hörer, einer Explosion übergibt, der Explosion der Musik, "eine stille, kalte Explosion, bei der alles an seinem Platz blieb und es weder Schreie noch Trümmer gab, doch die Kruste der Gewohnheit zersprang in tausend Stücke, und selbst die Konservativen (in den Orchestern, im Publikum) machten etwas, das sie nicht mehr wie früher empfanden, zu ihrer Sache" - ja, und diese Mimikry, die dem Autor Cortázar gelingt, nachdem sie doch Charlie Parker gegenüber immer misslang, diese schöne Atemlosigkeit, dieses Improvisieren mit Ideen, dieser stilistische Wechsel der Temperaturen, dieser virtuose Wechsel des Zeichnerischen mit dem Sfumato großer Nebel, in denen der große Saxophonist daherkommt, ist nicht nur beglückend musikalisch, temporeich, leidenschaftlich, nein, auch mustergültig kann es gelesen werden für den Umgang mit dem überlebensgroßen Künstler, wenn man ihn denn so nennen muss, mit dem schlichten Menschen und abgründig Expressiven, mit dem Notleidenden und dem Weltempfänger "und seinen verstümmelten Sätzen, seinen Seufzern, seinen jähen Wutanfällen und seinen Klagen", diesem Mann, dem doch auf seiner Schauseite alles fehlt, was ihn aus der Gemeinschaft der Menschen herausheben und sichtbar machen könnte, denn es fehlt ihm jede Größe, ja, die Dimension "Größe" ist falsch, und so bewundert ihn der imaginäre Verfasser, der Biograf, der Experte für die Abwesenheit von Größe in dem Immensen, für die Dimension des Persönlichen, in der "musikalisches Genie gleichsam eine Fassade ist, etwas, das alle Welt verstehen und bewundern kann, doch hinter der sich anderes verbirgt", das Spiel, das erhabene, quasi religiöse, ins Visionäre und Außerbegriffliche entkommende Spiel, von dem diese grandiose Erzählung so viel weiß, dass es selbst ihr Form und Metrum gibt. Applaus. Biographie des Autors
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