Zu Weihnachten habe ich das Buch Ich war die Köngin der Banditen von Phoolan Devi geschenkt bekommen. Die Autorin, die nicht lesen und schreiben konnte, sagte zu ihrem Buch: "Dieses Buch ist das erste Zeugnis einer Frau aus meiner Gemeinschaft (Kaste), dass an die Öffentlichkeit gelangte. Es ist eine ausgestreckte Hand des Mutes für die Gedemütigten und Unterdrückten, in der Hoffnung, dass ein Leben wie das meine sich nie mehr wiederholen möge. Ich sollte heute tot sein, aber ich lebe. Ich nahm mein Schicksal in meine eigenen Hände. Ich wurde als eine Unterlegene geboren, aber ich wurde zur Königin."
Deutschlandreise von Roger Willemsen hat sich zu lesen gelohnt. Aus seinen Beobachtungen, Begegnungen und Erfahrungen entwirft er ein sinknormales Deutschlandbild, in dem wir uns selbst wieder finden können. In seiner Konsumkritik ist Willemsen scharf und unerbittlich. Besonders treffend die Beschreibung der Situation in den neuen Bundesländern, wie viel an Humanität wird gegenwärtig unter dem allgegenwärtigen Konsumzwang begraben.
Willkommen in Kilanga ist das zweite Afrikabuch in diesem Jahr, dass ich gelesen habe. Es ist wieder die Geschichte einer Missionarsfamilie. Dieser Roman enthüllt für mich etwas von dem Geheimnis Afrikas. Barbara Kingsolver lässt Mutter und Töchter rückblickend erzählen, dieselbe Geschichte wird aus verschiedenen Blickwinkeln geschrieben, wie diese Familie lebt und wie sie mit ihrer Umgebung ringt aber nicht zuletzt auch mit sich selbst; nebenbei erfährt man einiges über die Geschichte des Kongo, des heutigen Zaire.
Was die Wahrsagerin der vierzehnjährigen Rose, Tochter eines verarmten Plantagenbesitzers auf Martinique, für die Zukunft voraussagt, ist umwerfend, aber zugleich auch völlig unglaubwürdig, wenn nicht sogar lachhaft. Rose soll die Frau eines Kaisers werden. Dabei ist sie doch völlig mittellos, ohne vornehme Erziehung und durch einen Ozean von der glanzvollen Welt der Kaiser und Könige getrennt. Doch tatsächlich erzählt die Historie die Geschichte von Rose, die durch die Vermittlung ihrer Tante Desiree in eine reiche aristokratische Familie in Paris einheiratet. Nach einer unglücklichen Ehe mit Alexandre de Beauharnais bleibt Rose als Witwe mit zwei Kindern in den Wirren der Französischen Revolution zurück. Getrieben von dem Wunsch zu überleben, flüchtet sie sich in die Obhut des korrupten Barras, dem mächtigsten Mann Frankreichs. Und es ist seine Idee, dass Rose sich mit dem merkwürdigen kleinen Korsen anfreundet, dem Mann, der Rose zu Josephine und zur Frau von Napoleon Bonaparte werden lässt. Sandra Gulland hat mich in eine andere Welt eingetaucht...
Als ich meiner Töchter vor vier Wochen besuchte, wollte sie wissen, ob in meiner Familie über die Gräuel der NS-Zeit gesprochen wurde. Leider konnte ich ihr über keine Gespräche im Familienkreis berichten. Ich konnte ihr jedoch berichten, dass ich an einem 1. Mai in den 50er Jahren den Film "Nacht und Nebel" über die Befreiung des KZ Bergen Belsen gesehen habe. Als ich heute Am Beispiel meines Bruders von Uwe Timm las, fand ich eine mutige Antwort für meine Tochter:
"... ich, der einer Generation angehört, der man das Weinen verboten hatte - ein Junge weint nicht -, weine, als müsste ich all die unterdrückten Tränen nachweinen auch über das Nichtwissen, das Nichtwissenwollen, der Mutter, des Vaters, des Bruders, was sie hätten wissen können, wissen müssen, in der Bedeutung von wissen, nach der althochdeutschen Wurzel, wizzan: erblicken, sehen. Sie haben nicht gewusst, weil sie nicht sehen wollten, weil sie wegsahen. Daher bekommt das immer wieder Behauptete seine Berechtigung: Das haben wir nicht gewusst - man hatte es nicht sehen wollen, man hatte weggesehen."
Eine Generation, die weggesehen hat. In einem Interview sagte er:
"... Dieses 'Wir haben es nicht gewusst' war tatsächlich ein 'Wir haben es nicht wissen wollen'.
Uwe Timm auf den Spuren seiner Familie, ein autobiographischer Befreiungsschlag, ein ebenso mutiges wie exemplarisches Stück Vergangenheitsbewältigung.
Eine geistreiche Familiensaga einer jüdischen New Yorker Restaurant-Familie vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart ist das Buch So viel ihr wollt von Patricia Volk.
Das Buch Der Schmerz von Marguerite Duras habe ich eher zufällig mit dem Buch Sumpffieber gekauft. Beiden Büchern ist gemeinsam, dass von der Bestie Mensch berichtet wird. In diesem Buch geht es um die Beschreibung der Machtlosigkeit des Menschen gegenüber dem Krieg.
In diesem Sommer habe ich Fotos von dem letzten Wohnsitz Fontana Rosa von Vicente Blasco Ibáñez, geboren 1867, gemacht. Er war spanischer Novellist und Politiker, er äußerte sich sehr offen gegen die Monarchie. Er lebte 30 Jahre wegen seiner politischen Aktivitäten in Gefangenschaft. Er bereiste Südamerika und kehrte zu Beginn des 1. Weltkrieges nach Spanien zurück. Er starb im politischen Exil in Menton 1928. Bei Ebay habe ich Sumpffieber nach einer Versteigerung, die kein Gebot brachte gekauft. Der Ort der Handlung spielt in der Nähe von Valencia, den Geburtsort von Ibáñez. Wer mehr über das Buch wissen möchte, der klicke die Leseprobe an!
Ich bewundere Gertrud Bäumer als Frauenrechtlerin, Pädagogin und Schriftstellerin. Während der NS-Zeit hat sie viele biographische und zeithistorischen Schriften und Romanen geschrieben. Das Buch "Eine Woche im May" ist eine einfühlsame Beschreibung aus dem Leben des jungen Goethe in Weimar. Für mich besonders interessant ist Goethes Beziehung zu Charlotte von Stein.
Seit einiger Zeit betreibe ich Kieser Training. Werner Kieser beschreibt in dem Buch Kieser Training für Frauen sein gesundheitsorientiertes Krafttraining Konzept. Das gut bebilderte Buch gibt einen hervorragenden Überblick über die Trainingsgeräte und wie sie zu bedienen sind.
Das gut lesbares Buch Zen im Westen - neue Lehrrede für eine alte Übung enthält verdichtet die Überlegungen und Erfahrungen von Peter Gottwald, die er in den letzten Jahren im Freundeskreis um Jean Gebser in Norddeutschland vorgetragen hat. Einige für mich im Augenblick wichtige Seiten finden Sie in der "Leseprobe".
Die Bücher von Batya Gur fesseln mich immer wieder, da sie Krimis einer besonderen Art sind. Mir gefällt die packende Beschreibung des Alltags in Israel sowie die Charkterstudien. In dem Buch "Du sollst nicht begehren" beschreibt Gur die Veränderungen in einem Kibbuz und die hinter einer idealisierten Fassade lauernden tödlichen Gefahren.
In dem Buch Die Säulen der Erde von Ken Follert geht es um den Streit zwischen der Geistlichkeit und der weltlichen Herrschaft im 12. Jahrhundert. Bereits König Heinrich I. konnte einen ersten Sieg gegen die Kirche erringen; sein Nachfolger Stephan I., der 1135 statt der eigentlich Erbfolgeberechtigten Mathilde den englischen Thron bestieg, war derart mit inneren Auseinandersetzungen beschäftigt, dass er die Rückendeckung der Kirche benötigte. Erst sein Nachfolger Heinrich II., dessen Erbansprüche Stephan schon Jahre vor dessen endgültiger Thronbesteigung anerkannte, hatte genug Macht und Kraft, einen neuen Kampf mit der Kirche aufzunehmen: Aus eigenen Besitzungen und der Heirat mit Eleonore von Aquitanien herrschte er nicht nur über England, sondern auch über ein Drittel von Frankreich. Bereits 1164 schränkte er die Rechte der Kirche durch die Konstitution von Clarendon ein. Becket, der Heinrichs Kanzler war, wandte sich gegen seinen König. Thomas Beckets Ermordung löste in ganz England eine Welle der Empörung aus, der sich Heinrich schließlich fügen musste - zumal er außenpolitisch auf die Hilfe durch den Papst angewiesen war. Follett bettet seine Geschichte um die Kathedrale in Kingsbridge in diese Wirren des politischen und kirchlichen Machtgefüges ein. Immer wieder versucht der Bischof von Kingsbridge, Waleran Bigod, den Bau einer Kathedrale in Kingsbridge zu verhindern, will lieber ein ebenbürtiges Gotteshaus in der Grafenstadt Shiring errichten lassen. Um diesen Wunsch, allein aus Machtkalkül motiviert, durchzusetzen, schließt Waleran ständig wechselnde Bündnisse mit weltlichen und kirchlichen Führern. Waleran und Prior Philip geraten bei diesen Machtspielchen immer wieder aneinander. Philip, der sein Kloster in Kingsbridge nach bestem Wissen und Gewissen führt, muss sich immer wieder in die Schussbahn des Bischofs stellen. Das Buch endet kurz nach der Wallfahrt von Heinrich II. zu dem Grab von Thomas Becket. Vroni Otto herzlichen Dank für die lesenswerten 1151 Seiten.
Heute habe ich Die Regenkönigin von Katherine Scholes beendet. Tansania in den 70er Jahren: Der Missionsarzt Michael Carrington und seine Frau Sarah werden brutal ermordet aufgefunden. Neben der toten Sarah entdeckt man einen Fetisch - eine Puppe mit rotem Haar, so rot wie das Haar der Frau, die an jenem Abend als Letzte die Station besucht hatte... Auf fast 600 Seiten wird das Leben und Schicksal einer außergewöhnlichen und mutigen Frau in Afrika beschrieben, die ich mit großer Anteilnahme gelesen habe, da sie sich mit meiner Vergangenheit in dem Elternhaus eines Missionars auseinandersetzt.
"Ich bin der Hauch, der alles grün werden lässt. Ich befehle Blüten, goldene Früchte zu gebären. Ich bin der Regen, der aus dem Tau aufsteigt, unter dem das Gras lacht vor Freude am Leben." (Hildegard von Bingen, 1098 - 1179)
Der Briefwechsel von Wassily Kandinsky und Gabriele Münter hat mich gefangen genommen. Das Pegusus-Buch Annegret Hoberg vom Prestel Verlag enthält auch schöne Bilder insbesondere von Kandinsky. Der ausgewählte Schriftwechsel gibt einen Überblick über dieses Künstlerpaar vor hundert Jahren. Es sind immer wieder Kriege, die in das Leben der Menschen eingreifen. Die "Blauen Reiter" sind davon auch davon betroffen. Franz Marc ist in jungen Jahren gestorben. Die Emigration von Gabriele Münter und Wassily Kandinsky hat zu einer Trennung geführt, die sich schon quälend in dem Briefwechsel abzeichnet. Ich danke Michael Gäbler und Bärbel Gäbler für das schön aufgemachte Buch.
Globalisierung von unten von Maria Mies, beschreibt den Kampf gegen die Herrschaft der Konzerne. In diesem Buch wird nicht nur die Folgen des neoliberale Wirtschaftmodells mit den Instrumenten Weltbank, IWF und Welthandelsabkommen und den verhängnisvollen Folgen für die Umwelt, Arbeitsplätze und Menschenrechte aufgezeigt, sondern die beginnende globale Bewegung dagegen. Besonders beeindruckt hat mich der Kampf der indischen Bauern gegen die Patentierung von indischen Pflanzen z.B. dem Neem-Baum. Der Sieg der Neem-Kampagne gegen den Biokolonialismus vor dem Europäischen Patentamt in München am 10.05.00 habe ich damals nicht zur Kenntnis genommen. Die Suche nach einer neuen Ökonomie wird uns noch lange beschäftigen. Einige neue Ansätze werden in diesem Buch beschrieben.
Das Zittern des Fälschers von Patricia Highsmith. Das Besondere an dem Roman ist die Auflösung des westlichen Zeitbegriffes durch den arabischen. Die Hauptfigur, die frei von ideologischen Ressentiments konzipiert ist, droht an diesem Kulturschock zu zerbrechen. Es handelt sich um einen komplexen Roman, der sich Zeit lässt und den Leser in die Handlung einbezieht.
Um 10:30 Uhr hatten wir bei Mr. Wash getankt und dann ging es ab Richtung Mittelmeer. Wir hatten Glück, dass wir keine Verzögerungen durch Baustellen oder Staus hatten. Wir hörten unterwegs die CDs von "Balzac und die kleine chinesische Schneiderin" von Dai Sijie. Ort der Handlung ist China 1971: Zwei junge Studenten, aus Intellektuellen-Familien stammend, werden zur ''Umerziehung'' aufs Land geschickt. Das Überleben sichern ihnen ein Koffer voll verbotener Bücher von Balzac, Flaubert, Dumas u.a. - und die hübsche kleine Schneiderin, in die sich beide verlieben. Erinnerungen wurden wach an die "Wilde Schwäne" von Jung Chang.
Wer Allahs Wort missbraucht - Krisenherd islamische Welt von Mostafa Danesch hat für mich einige neue Erkenntnisse gebracht, die für das Verständnis der heutigen Krisenherde der Welt wichtig sind.
Walter Nowojs über das Hörbuch "Die Tagebücher des Victor Klemperer von 1918 bis 1932": Ich hatte Klemperer während meines Studiums getroffen - er war damals für uns das Vorbild, ja geradezu eine Kultfigur. Als ich dann zum ersten Mal auf seine Tagebücher stieß, war ich schockiert. Die Texte waren ja nicht für die Öffentlichkeit geschrieben sondern für ihn selbst. Beim Lesen habe ich erst seine innere Zerrissenheit kennen gelernt. Das, was wir immer nur im Freundeskreis gemacht haben, hat er beim Schreiben gemacht: Sich mal richtig auszukotzen. Wenn man alle seine Tagebücher gelesen hat, dann hat man ihn also immer noch nicht als ganzen Menschen vor sich. Als Mensch war er die Hoffnung in Person, sprühte vor Fröhlichkeit und Esprit. Er hatte ganz großen Humor.