Es gibt über 100 Bücher zu Mahatma Gandhi, die man kaufen kann. Seit einiger Zeit habe ich das kleine Büchlein in meiner Tasche, "Die Kraft des Geistes", eine kleine Auswahl aus seinen Schriften. Mir hat er als ehemaligen Lehrer ins Stammbuch geschrieben: "Ich erkannte, dass die Jungen und Mädchen meine Lehrmeister wurden und dass ich gut sein und streng leben müsse, sei es auch nur ihretwegen."
Der Roman eines Schicksallosen von dem Nobelpreisträger 2002 Imre Kertesz besticht durch seine Sprache. Dem Spiegel ist zuzustimmen: "Es gibt kein literarisches Werk, das in dieser Konsequenz, ohne zu deuten, ohne zu werten, der Perspektive eines staunenden Kindes treu geblieben ist. Wohl nie zuvor hat ein Autor seine Figur Schritt für Schritt bis an jene Grenze begleitet, wo das nackte Leben zur hemmungslosen, glücksüchtigen, obszönen Angelegenheit wird."
Ich bin nach 40 Jahren erstaunt, dass ich Adalbert Stifter immer noch gerne lese. Über die Weihnachtstage habe ich Hochwald gelesen.
Doktor Erich Kästners Lyrische Hausapotheke, 56 Gedichte mit einem Nachwort von Salomon Korn und mit einem Auszug aus »Mein Leben« von Marcel Reich-Ranicki: Als Erich Kästner 1936 seine »Lyrische Hausapotheke« bestückte, lebte er seit drei Jahren in Unsicherheit und Angst. 1933 waren seine Bücher verbrannt und er mit Publikationsverbot belegt worden. Im Warschauer Ghetto erhielt Teofila Langnas vorübergehend ein dorthin gelangtes Exemplar der »Lyrischen Hausapotheke«. Sie übertrug es kalligraphisch und schmückte es mit farbigen Vignetten. Diese Abschrift schenkte sie 1941 Marcel Reich-Ranicki, ihrem Freund und späteren Mann, zu dessen 21. Geburtstag. Gemeinsam lasen sie deutsche Gedichte, als ihnen ein deutscher Tod drohte.
Okonkwo oder der Alte stürzt von Chinua Achebe ist für mich ein sehr lesenswertes Buch afrikanischer Literatur. Vor einem Jahr gab mir Nuruddin Farah tiefe Einblicke in das Leben in Somalia, in diesem Buch wird an dem Beispiel von Nigeria gezeigt, dass es vor der Kolonisation eine eigenständige afrikanische Kultur gab. Ich danke meiner Tochter Ulla Gäbler für dieses Geburtstagsgeschenk.
"El Camino" - ein spirituelles Abendteuer von Lee Hoinacki: Von Bremen nach Santiago de Compostela. Ein 65jähriger macht sich auf den uralten Weg, allein und zu Fuß. Der Jakobusweg, der im Mittelalter Millionen zum Ende der bekannten Welt führte, wird zum Abenteuer innerer Erfahrungen: Stille, Einsamkeit, Hinabtauchen in die Geschichte, Begegnung mit der elementaren Natur, Ahnung des Heiligen. Wer bereit ist, dem Autor auf diesem Weg zu folgen, wird das Pilgerbuch mit Gewinn lesen.
Das Buch Nazis in der Metro von Didier Daeninckx ist eine turbulente Geschichte um verdeckt arbeitende Neo-Nazis, frustrierte Linke, aufrechte Anarchisten, verrückte Alte und um dem Icherzähler, der manche bedrohliche Situationen zu überstehen hat.
Das Buch Elisabeth Mann Borggese ist ein Beleg dafür, wie sich eine Frau aus dem Bannkreis einer großen Familie lösen kann: "Man muss irgendwann einmal aufhören, die Eltern für die eigene unglückliche Lebensgeschichte verantwortlich zu machen." Kerstin Holzer ist ein schönes Buch gelungen, das zeigt, dass ein Leben selbst dann gelingen kann, wenn frau eine Mann ist.
Die Ballade vom Baikalsee handelt vom dem, ältesten und mit Sicherheit geheimnisvollsten See der Erde. Es stehen die Menschen der Region im Vordergrund. Klaus Bednarz Verständnis für Land und Leute ermöglicht einen Einblick in diese fremde Kultur.
Was vom Tage übrigblieb von Kazuo Ishiguru ist ein gesellschaftskritischer Roman, erzählt von einem, der sich eine solche Kritik nie erlauben würde; es ist traurige Liebesgeschichte, erzählt von einem, der nicht ahnte, dass er liebt.
Das Buch Das Attentat von Harry Mulisch berichtet vom Erwachsenwerden des Anton Stenwijk, der - statt nach Ursachen und Schuld zu fragen - lieber vergessen würde was den Eltern und dem Bruder geschah, wer die Frau in der Zelle war und warum die Nachbarn den Toten vor dem Haus seiner Familie legten und warum er Saskia heiraten und verlassen musste. Dem Autor gelingt es im einem sprachlich kargen, auf Fakten reduzierten Dokumentarbericht über ein Verbrechen die Verletzungen sichtbar zu machen, die der letzte Krieg und seine Vernichtungsmaschinerie auch bei den äußerlich Unversehrten angerichtet hat, Politische Literatur, die mich beeindruckt hat.
Nach dem Buch Die Glut war ich auf das Buch Das Vermächtnis der Eszter von dem ungarischen Autor Sándor Márai gespannt. Lajos, die einzige Liebe Eszters, hat ihre Schwester Vilma geheiratet. Nun besucht er die einst Verschmähte, um sich rückblickend zu erklären. Dabei setzt er dazu an, die Betrogene wieder hereinzulegen. In den Dialogen und Monologen der Titelheldin scheint eine große Liebe auf – und die Einsicht, dass diese trotzdem vergeblich ist. Nach der letzten Seite habe ich das Buch erleichtert zur Seite gelegt.
Das Büchlein Unzeitgemäßes von dem DDR-Autor Günter de Bruyn ist ein Plädoyer für einen vernünftigen Umgang mit unserer jüngsten Vergangenheit. De Bruyn, die Wiedervereinigung verhalten bejubelnd, zeigt Verständnis für die Verlierer der Einheit. Der Schriftsteller erinnert an die positiven Ergebnisse des Sozialismus. Er warnt vor Identitätsverlust, dem die Gleichgültigkeit gegenüber unserer Geschichte folgen würde.
Gisbert Haefs ist zuzustimmen: "Etliche Autoren, mehrere Orientalisten und speziell einige Mongolisten wurden durch die Bücher zum Lesen, Schreiben und sogar zum Erlernen exotischer Sprachen angeregt: Fritz Mühlenweg, der Ende der zwanziger Jahre mit Sven Hedin (im Auftrag der Lufthansa) durch die Gobi reiste und, wie seinen Aufzeichnungen zu entnehmen ist, wohl als einziger der Herrenmenschen und Herrenreiter genug Interesse für seine Umgebung aufbrachte, um Mongolisch zu lernen. Aus Erlebtem, Gehörtem und Erdachtem fügte er später die Geschichten zusammen, die ihm in den Fünfzigern Ruhm, treue Leser und Auszeichnungen eintrugen: In geheimer Mission durch die Wüste Gobi und andere. Nach seinem Tod (1961) ging man mit Mühlenwegs Büchern nicht eben pfleglich um. Sie wurden zum Teil brutal gekürzt, einiges war jahrzehntelang vergriffen. Seit einiger Zeit gibt es nun den ungekürzten Mühlenweg in liebevoll ausgestatteten Bänden wieder zu kaufen und zu lesen: für alle, denen ein Weihnachtsfest pro Jahr nicht reicht, um sich in Büchern zu suhlen." Dieses Buch bringt von der Sprache und Erzählweise die beste Voraussetzung mit, um für junge und alte Leser zum Kultbuch zu werden.