Gaebler  Info und Genealogie

 

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Lesen 2002-2

Weihnachten 2002

Es gibt über 100 Bücher zu Mahatma Gandhi, die man kaufen kann. Seit einiger Zeit habe ich das kleine Büchlein in meiner Tasche, "Die Kraft des Geistes", eine kleine Auswahl aus seinen Schriften. Mir hat er als ehemaligen Lehrer ins Stammbuch geschrieben: "Ich erkannte, dass die Jungen und Mädchen meine Lehrmeister wurden und dass ich gut sein und streng leben müsse, sei es auch nur ihretwegen."

Die richtigre Lektüre zum Jahresende 2002/3.

Der Roman eines Schicksallosen von dem Nobelpreisträger 2002  Imre Kertesz besticht durch seine Sprache. Dem Spiegel ist zuzustimmen: "Es gibt kein literarisches Werk, das in dieser Konsequenz, ohne zu deuten, ohne zu werten, der Perspektive eines staunenden Kindes treu geblieben ist. Wohl nie zuvor  hat ein Autor seine Figur Schritt für Schritt bis an jene Grenze begleitet, wo das nackte Leben zur hemmungslosen, glücksüchtigen, obszönen Angelegenheit wird."      

Hochwald macht mich süchtig nach Witiko.

Ich bin nach 40 Jahren erstaunt, dass ich Adalbert Stifter immer noch gerne lese. Über die Weihnachtstage habe ich Hochwald  gelesen. 

Am 28.12.02 gelesen.

Doktor Erich Kästners Lyrische Hausapotheke,   56 Gedichte mit einem Nachwort von Salomon Korn und mit einem Auszug aus »Mein Leben« von Marcel Reich-Ranicki: Als Erich Kästner 1936 seine »Lyrische Hausapotheke« bestückte, lebte er seit drei Jahren in Unsicherheit und Angst. 1933 waren seine Bücher verbrannt und er mit Publikationsverbot belegt worden. Im Warschauer Ghetto erhielt Teofila Langnas vorübergehend ein dorthin gelangtes Exemplar der »Lyrischen Hausapotheke«. Sie übertrug es kalligraphisch und schmückte es mit farbigen Vignetten. Diese Abschrift schenkte sie 1941 Marcel Reich-Ranicki, ihrem Freund und späteren Mann, zu dessen 21. Geburtstag. Gemeinsam lasen sie deutsche Gedichte, als ihnen ein deutscher Tod drohte.

Im November 2002 gelesen.

Okonkwo oder der Alte stürzt von Chinua Achebe ist für mich ein sehr lesenswertes Buch afrikanischer Literatur. Vor einem Jahr gab mir Nuruddin Farah tiefe Einblicke in das Leben in Somalia, in diesem Buch wird an dem Beispiel von Nigeria gezeigt, dass es vor der Kolonisation eine eigenständige afrikanische Kultur gab. Ich danke meiner Tochter Ulla Gäbler für dieses Geburtstagsgeschenk.

Im September 2002 gelesen.

"El Camino" - ein spirituelles Abendteuer von Lee Hoinacki: Von Bremen nach Santiago de Compostela. Ein 65jähriger macht sich auf den uralten Weg, allein und zu Fuß. Der Jakobusweg, der im Mittelalter Millionen zum Ende der bekannten Welt führte, wird zum Abenteuer innerer Erfahrungen: Stille, Einsamkeit, Hinabtauchen in die Geschichte, Begegnung mit der elementaren Natur, Ahnung des Heiligen. Wer bereit ist, dem Autor auf diesem Weg zu folgen, wird das Pilgerbuch mit Gewinn lesen.

Am 30. August 2002 in Menton gelesen.

Das Buch Nazis in der Metro von Didier Daeninckx ist eine turbulente Geschichte um verdeckt arbeitende Neo-Nazis, frustrierte Linke, aufrechte Anarchisten, verrückte Alte und um dem Icherzähler, der manche bedrohliche Situationen zu überstehen hat.

Am 29. August 2002 gelesen.

Das Buch Elisabeth Mann Borggese ist ein Beleg dafür, wie sich eine Frau aus dem Bannkreis einer großen Familie lösen kann: "Man muss irgendwann einmal aufhören, die Eltern für die eigene unglückliche Lebensgeschichte verantwortlich zu machen." Kerstin Holzer ist ein schönes Buch gelungen, das zeigt, dass ein Leben selbst dann gelingen kann, wenn frau eine Mann ist.

Das Buch Das Einmaleins der Skepsis -  Über den richtigen Umgang mit Zahlen und Risiken kann jedem helfen statistisch zu denken, also mit Unsicherheiten und Risiken umzugehen. Gerd Gigerenzer zeigt einfache Möglichkeiten auf, wie sich das statistische Analphabetentum überwinden läßt.

vom 23. - 25. August 2002 gelesen

größeres Bild: bitte klickenDie Ballade vom Baikalsee  handelt vom dem, ältesten und mit Sicherheit geheimnisvollsten See der Erde. Es stehen die Menschen der Region im Vordergrund. Klaus Bednarz Verständnis für Land und Leute ermöglicht einen Einblick in diese fremde Kultur.

vom 20. - 22. August 2002 gelesen

Was vom Tage übrigblieb von Kazuo Ishiguru ist ein gesellschaftskritischer Roman, erzählt von einem, der sich eine solche Kritik nie erlauben würde; es ist traurige Liebesgeschichte, erzählt von einem, der nicht ahnte, dass er liebt.      

Mitte August 2002 gelesen.

Das Buch Das Attentat von Harry Mulisch berichtet vom Erwachsenwerden des Anton Stenwijk,  der - statt nach Ursachen und Schuld zu fragen - lieber vergessen würde was den Eltern und dem Bruder geschah, wer die Frau in der Zelle war und warum die Nachbarn den Toten vor dem Haus seiner Familie legten und warum er Saskia heiraten und verlassen musste. Dem Autor gelingt es im  einem sprachlich kargen, auf Fakten reduzierten Dokumentarbericht über ein Verbrechen  die Verletzungen sichtbar zu machen, die der letzte Krieg und seine Vernichtungsmaschinerie auch bei den äußerlich Unversehrten angerichtet hat, Politische Literatur, die mich beeindruckt hat.

Geschenk von Gisela Krauß zum 05.08.02

im August 2002 gelesen

Die Botschaften an den Prinzen Jussuff von Franz Marc enthalten Postkarten, die er an Else Lasker-Schüler geschickt hat. Das Buch Der Blaue Reiter präsentiert Eurer Hoheit sein Blaues Pferd von Franz Marc und Else Lasker-Schüler erschien als Katalog zur gleichnamigen Ausstellung in der Staatsgalerie München vom 20. November 1987 bis 31. Januar 1988. Behandelt wird die Korrespondenz der beiden befreundeten Künstler. Mit wundervoll gemalten und gezeichneten Karten und Briefen

Geschenk von Hannelore Schwedes, am 5. und 6. August 2002 gelesen.

Nach dem Buch Die Glut  war ich auf das Buch Das Vermächtnis der Eszter von dem ungarischen Autor Sándor Márai gespannt. Lajos, die einzige Liebe Eszters, hat  ihre Schwester Vilma geheiratet. Nun besucht er die einst Verschmähte, um sich rückblickend zu erklären. Dabei setzt er dazu an, die Betrogene wieder hereinzulegen. In den Dialogen und Monologen der Titelheldin scheint eine große Liebe auf – und die Einsicht, dass diese trotzdem vergeblich ist. Nach der letzten Seite habe ich das Buch erleichtert zur Seite gelegt.

 

Im Juli  und August 2002 gelesen

Das Büchlein Unzeitgemäßes von dem DDR-Autor Günter de Bruyn ist ein Plädoyer für einen vernünftigen Umgang mit unserer jüngsten Vergangenheit. De Bruyn, die Wiedervereinigung verhalten bejubelnd, zeigt Verständnis für die Verlierer der Einheit. Der Schriftsteller erinnert an die positiven Ergebnisse des Sozialismus. Er warnt vor Identitätsverlust, dem die Gleichgültigkeit gegenüber unserer Geschichte folgen würde.

Im Juli 2002 gelesen.

Gisbert Haefs ist zuzustimmen: "Etliche Autoren, mehrere Orientalisten und speziell einige Mongolisten wurden durch die Bücher zum Lesen, Schreiben und sogar zum Erlernen exotischer Sprachen angeregt: Fritz Mühlenweg, der Ende der zwanziger Jahre mit Sven Hedin (im Auftrag der Lufthansa) durch die Gobi reiste und, wie seinen Aufzeichnungen zu entnehmen ist, wohl als einziger der Herrenmenschen und Herrenreiter genug Interesse für seine Umgebung aufbrachte, um Mongolisch zu lernen. Aus Erlebtem, Gehörtem und Erdachtem fügte er später die Geschichten zusammen, die ihm in den Fünfzigern Ruhm, treue Leser und Auszeichnungen eintrugen: In geheimer Mission durch die Wüste Gobi und andere. Nach seinem Tod (1961) ging man mit Mühlenwegs Büchern nicht eben pfleglich um. Sie wurden zum Teil brutal gekürzt, einiges war jahrzehntelang vergriffen. Seit einiger Zeit gibt es nun den ungekürzten Mühlenweg in liebevoll ausgestatteten Bänden wieder zu kaufen und zu lesen: für alle, denen ein Weihnachtsfest pro Jahr nicht reicht, um sich in Büchern zu suhlen." Dieses Buch bringt von der Sprache und Erzählweise die beste Voraussetzung mit, um für junge und alte Leser zum Kultbuch zu werden.

 

© 
Christoph Gäbler 21.07.2010