In dem Buch "Eugen Drewermann und die Menschlichkeit des Christentums" fasst Josef Sudbrack die zentralen Aspekte von Drewermanns Bibelauslegung und Theologie zusammen. Es wird u. a. die Bedeutung der Psychologie, die mythischen Welt der Bilder für das Verständnis des christlichen Glaubens, die Frage nach dem historischen Jesus sowie das Problem der Angst behandelt.
Agnes ist die unterkühlte Liebesgeschichte eines Schweizers, der in Chicago ein Buch über amerikanische Luxuseisenbahnwagen recherchiert, und einer amerikanischen Physikstudentin, die an ihrer Dissertation arbeitet. Das Glück der beiden ist spröde, kalt, emotionslos und gewinnt eine eigene Spannung, als Agnes ihn auffordert, ihre gemeinsame Geschichte in den Computer zu tippen. Es geht nicht gut aus, denn immer mehr greift die erfundene Handlung in ihre Realität ein und bald verschwimmt für die beiden die Grenze zwischen Fiktion und Wirklichkeit. Für mich ist es beeindruckend gewesen, wie es Peter Stamm gelingt, den Inhalt durchsichtig und leicht sprachlich zu verpacken.
Blitzeis von Peter Stamm habe ich auf einen Rutsch gelesen. Ich kann nur Marcel Reich-Ranicki zustimmen: "Dieses dünne Buch gehört zu den ganz schönen und wichtigen Büchern, die es überhaupt in diesem Herbst gegeben hat."
Die Buddenbrooks muss man gelesen haben. Thomas Mann schrieb diesen Roman bereits im Alter von 26 Jahren. Wenn auch der Umfang des Werks mich anfänglich ein wenig abschreckte, so bin ich doch nach wenigen Seiten von der lebendigen Erzählstil gefesselt worden, so dass es mir schwer gefallen ist, das Buch während des USA-Urlaubs aus der Hand zu legen. Ich wurde um hundert Jahre zurückversetzt, erlebte das Geschehen mit und fühlte mich in die einzelnen Charaktere ein.
Die Liebesnacht von Urs Widmer habe ich auf den Flug in die USA gelesen. Irgendwie hat mich das Buch nicht wirklich angesprochen. Warum vermag ich nicht recht sagen.
Im Mittelpunkt des Romans Liebhaber des Vulkans vom Ende des 18. Jahrhunderts steht die Liebesgeschichte zwischen Lady Hamilton, der Frau des britischen Gesandten in Neapel, und Lord Nelson, dem britischen Seehelden. Dieser historische Roman ist ein Lesevergnügen. Susan Sontag hat eine romantische Liebesaffäre geschrieben, ein spannendes und interessantes Buch für mich.
Ein packender Kriminalroman mit einem Mörder, der selbst gewiefte LeserInnen überraschen wird. Es ist nicht verwunderlich, dass das Buch Das vierte Opfer mit dem schwedischen Krimipreis ausgezeichnet wurde. Mir haben die Reflexionen des Hauptkommissars Van Veeteren und die Sprache des Autors Hakan Nesser besonders gefallen.
Martin Suter versteht es in dem Buch Small World hervorragend die Krankengeschichte mit einer Kriminalstory zu verbinden. das Leben des reichen Fabrikantensohns, Thomas Koch, und das seines ärmlichen Freundes aus Kindertagen, Konrad Lang, hat sich nie sehr weit auseinander entwickelt. Konrad war stets zur Stelle, wenn Thomas nach ihm verlangte. Mittlerweile sind die beiden sechzig und Konrad hat immer mehr Probleme mit seinem Kurzzeit- Gedächtnis...
Die Politik hat nicht mehr viel zu melden im 21. Jahrhundert, zunehmend diktieren globale Konzerne und die Gesetze der Freien Marktwirtschaft das Geschehen. Verbraucher üben über ihre Kaufentscheidungen mindestens genauso viel Macht aus wie über den Gang zu den Wahlurnen, große Unternehmen übernehmen mehr und mehr Aufgaben des Staates. Dies ist das Fazit der Analyse von Noreena Hertz in Wir lassen uns nicht kaufen. Der englische Titel The Silent Takeover. Global Capitalism and the Death of Democracy beschreibt genauer den Inhalt des Buches. Sie fordert eine starke Politik, die sich weniger auf Konzerne konzentriert, sondern auf die Menschen.
In dem Büchlein Gedichte von 1950 - 2000 von Hans Magnus Enzensberger mit CD habe ich das folgende Gedicht gefunden, dass ich bereits vor einer Generation in meinem Unterricht mit Chemielaboranten über viele Jahre gelesen habe. Um was geht es da? Meine Antwort: Radioaktivität.
An alle Fernsprechteilnehmer
Etwas, das keine Farbe hat, etwas, das nach nichts riecht, etwas Zähes, trieft aus den Verstärkerämtern, setzt sich fest in die Nähte der Zeit und der Schuhe, etwas Gedunsenes, kommt aus den Kokereinen, bläht wie eine fahle Brise die Dividenden und die blutigen Segel der Hospitäler, mischt sich klebrig in das Getuschel um Professuren und Primgelder, rinnt, etwas Zähes, davon der Salm stirbt, in die Flüsse, und sichert, farblos, und tötet den Butt auf den Bänken.
Die Minderzahl hat die Mehrheit, die Toten sind überstimmt.
In den Staatsdruckereien rüstet das tückische Blei auf, die Ministerien mauscheln, nach Phlox und erloschenen Resolutionen riecht der August. Das Plenum ist leer. An den Himmel darüber schreibt die Radarspinne ihr zähes Netz.
Die Tanker auf ihren Helligen wissen es schon, eh der Lotse kommt, und der Embryo weiß es dunkel in seinem warmen, zuckenden Sarg:
Es ist etwas in der Luft, klebrig und zäh, etwas, das keine Farbe hat (nur die Jungen Aktien spüren es nicht): Gegen uns geht es, gegen den Seestern und das Getreide. Und wir essen davon und verleiben uns ein etwas Zähes, und schlafen im blühenden Boom, im Fünfjahresplan, arglos schlafend im brennenden Hemd, wie Geiseln umzingelt von einem zähen, farblosen, einem gedunsenen Schlund.
Die Kindergeschichten von Peter Bichsel mit einer Lesung des Autors auf CD sind eine Sammlung der lehrreichsten und ergreifendsten Geschichten aus Bichsels Feder. Eigentlich sind es keine Kindergeschichten, jedenfalls nicht nur; es sind Geschichten, die abends am Bett noch einmal eine Portion Nachdenken für den Schlaf offerieren, aber sie fordern auch Erwachsene immer wieder neu heraus, weil sie beschreiben, was den Menschen von der Wiege bis zur Bahre antreibt, was sie bewegt und erschüttert.
Die niederländische Autorin Carl Friedmann schildert in ihrer Erzählung „Vater" in einfacher, klarer Sprache und in kurzen Kapiteln ihre Kindheit in den 50er Jahren. Im Mittelpunkt aller Geschichten steht dabei der Vater. Als ehemaliger KZ-Häftling hat er noch immer „Lager”; die Vergangenheit des Vaters überschattet das Leben seiner drei heranwachsenden Kinder. Das Trauma des Lagers wird erbarmungslos auf die nächste Generation vererbt.
Keine Lektüre hat mich in der letzten Zeit so gefangen genommen, wie das Buch "Der Gott der kleinen Dinge" von Arundhati Roy, das mir Katja geschenkt hat. Viele Erinnerungen an das ländliche Leben Indiens, in dem ich die ersten neun Jahre meines Lebens verbracht habe, wurden beim Lesen wach, sowohl mein Kopf als auch mein Herz wurden angesprochen. Ich habe mir die englische Ausgabe besorgt, damit ich besser nachempfinden kann, was die Autorin durch ihre eigenwillige, bildkräftige Sprache zum Ausdruck bringen will.
Der Roman Ice Candy Man von Bapsi Sidhwa beschreibt auf beklemmende Art an einer Reihe von Lebensschicksalen die Folgen der Teilung von Pakistan und Indien 1947 mit der Massenumsiedlung von Millionen von Menschen. Beim Lesen musste ich an meine Kinderzeit in Indien kurz vor der Teilung in Satara und den Reisen nach Betzwada denken; damals herrschte noch die Ruhe vor dem Sturm.