|
Stadt aus GlasVon Paul AusterInhalt
"Stadt aus Glas" ist der erste Teil der "New York-Trilogie" (1987), mit der Auster der internationale Durchbruch als Romanautor gelang. Ihm folgten "Schlagschatten" und "Hinter verschlossenen Türen". Diese Trilogie und die folgenden Romane sowie die Filmdrehbücher "Smoke" und "Blue in the Face" von 1995 haben ihn zu einem der bekanntesten Schriftsteller der amerikanischen Gegenwartsliteratur gemacht. Rezension aus der Süddeutschen ZeitungFalsch verbunden mitten in der NachtVon Kristina Maidt-ZinkeAn diesem Eröffnungssatz können Generationen von Creative-writing-Schülern studieren, wie der perfekte Einstieg in einen Thriller aussieht: „Mit einer falschen Nummer fing es an, mitten in der Nacht läutete das Telefon dreimal, und die Stimme am anderen Ende fragte nach jemandem, der er nicht war.“ Paul Auster hat berichtet, dass der Roman „City of Glass“ tatsächlich von einer Falschverbindung angeregt worden sei: Ein Anrufer habe ihn irrtümlich für den Detektiv gehalten, dem er einen Fall anvertrauen wollte. Der Gedanke, was geschehen wäre, wenn er den Auftrag übernommen hätte, inspirierte den noch unbekannten US-Schriftsteller in den frühen achtziger Jahren zum ersten Teil seiner „New York Trilogy“, die ihn international berühmt machte. In Deutschland wurde „Stadt aus Glas“, 1986 separat erschienen, zunächst wenig beachtet; inzwischen genießt das Werk auch bei uns geradezu Kultstatus und gilt manchen als Austers gelungenste Arbeit überhaupt. Der Krimi-Autor Daniel Quinn, der unter dem Pseudonym William Wilson den Privatdetektiv Max Work erfunden hat, wird am Telefon mit einem Detektiv namens Paul Auster verwechselt und lässt sich darauf ein, den geistesgestörten Sprachforscher Peter Stillman senior zu beschatten. Der nämlich hat seinen Sohn, Peter Stillman junior, aus wissenschaftlichen Gründen jahrelang wie Kaspar Hauser unter Verschluss gehalten und steht nun im Verdacht, ihn umbringen zu wollen. Auf seinen Observierungsgängen beginnt Quinn, in der Topographie New Yorks zu lesen wie in einem Buch, kommt hinter die wahnwitzige Hypothese des Professors, in der Humpty Dumpty aus Lewis Carrolls „Alice hinter den Spiegeln“ eine Rolle spielt, und begegnet dem Schriftsteller Auster, der ihm eine faszinierende Theorie zu Don Quijote unterbreitet. Dann entgleitet ihm der Fall auf mysteriöse Weise, bis er am Ende selbst aus allen Zusammenhängen seines bisherigen Lebens herausfällt. Daniel Quinn ist William Wilson ist Max Work, Paul Auster ist Daniel Quinn, alle vier sind Don Quijote, und jeder von uns ist Humpty Dumpty. Das klingt prätentiös, aber die verschachtelte Konstruktion ruht nicht nur auf einem soliden literaturtheoretischen und sprachphilosophischen Fundament, sondern ist aufgehoben in einer luziden Erzählstruktur voll überraschender Durchblicke und amüsanter Korrespondenzen. Die Postmoderne, die ihren Namen einem ratlosen, doch oft reizvollen Architektur-Manierismus verdankte, fand zu jener Zeit ihre Entsprechung in einer ebenso verspielten wie gelehrten Literatur voller Zitate, Versatzstücke und Genre-Parodien. Auster, durch längeren Frankreich-Aufenthalt „europäisiert“ und damals schon als Lyriker, Übersetzer, Essayist hervorgetreten, konnte hier aus einem reichen Fundus schöpfen. Kafka, Beckett, der nouveau roman haben unübersehbare Spuren in seinem Romandebüt hinterlassen; den Erfolg jedoch sicherte ihm die amerikanische Unangestrengtheit, mit der er den Leser durch ein Labyrinth aus Spiegelungen und Verweisen leitet, um dann das ganze scheinlogische Gebäude souverän zu demontieren. Dass Schriftsteller und Detektiv, jeder auf seine Weise Beobachter, Horcher und Sinnstifter, ihrer Natur nach verwandt sind, ist ein Lieblingsgedanke Paul Austers. In „Stadt aus Glas“ hat er dieser Idee ein Gerüst gebaut, das auch nach dem Altern der Postmoderne noch Spannung und Kurzweil garantiert. Biographie des Autors
|
|