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Der große GatsbyVon Francis Scott FitzgeraldInhalt
Subtil und symbolhaft erzählt Fitzgerald hier vom großen amerikanischen Traum - und von dessen Scheitern. Für seinen Roman erntete er höchstes Lob von Autoren wie T. S. Eliot, Gertrude Stein und Ernest Hemingway. "Der große Gatsby" wurde mehrfach verfilmt, unter anderem 1973 mit Robert Redford und Mia Farrow in den Hauptrollen. Rezension aus der Süddeutschen ZeitungWenn der Leser ins Schwitzen kommtVon Sibylle LewitscharoffJay Gatsby gehört zu den Figuren, die größer sind als die Romane, denen sie entspringen. Längst lebt er auf eigene Rechnung und hat seinen Schöpfer hinter sich gelassen. Francis Scott Fitzgerald, jung berühmt und ein berüchtigter Trinker, wurde nur 44 Jahre alt. Der Star der Literaturszene der Zwanzigerjahre endete verschuldet und verbittert in Los Angeles. 1940 lag ein abgezehrter Leichnam mit faltigen Händen im Sarg. "Der große Gatsby" erschien 1925, als die USA noch im wirtschaftlichen Boom steckte, mitten im Jazz. Es ist die Geschichte einer fatalen Wiederbegegnung. Ein armer Kerl, der sein Mädchen an einen reichen Mann verloren hat, arbeitet sich empor und kommt mit Hilfe dunkler Geschäfte an ein Vermögen. Sein Anwesen auf Long Island, das viele Geld, die rauschenden Partys, die Gatsby gibt, dienen nur dazu, die verlorene Geliebte anzulocken. Wie viele große Romanfiguren ist Gatsby ein reichlich unwahrscheinlicher Charakter. Welcher Mann von solch blendendem Äußeren und mit solchem Talent zum Geldverdienen träumt Nacht für Nacht den Traum von der Rückgewinnung einer entschwundenen Liebe? Doch der Roman spielt virtuos auf der Klaviatur arm/reich, treu/untreu, und der flüssige, elegante Stil, in dem das vorgetragen wird, erlaubt, dass man Gatsbys melancholische Obsession dennoch für bare Münze nimmt. Zwei Beispiele für den literarischen Rang des Romans: Am entscheidenden Tag, dem Tag des Verhängnisses, ist es derart heiß, dass der Leser in Verfolgung des Geschehens selbst ins Schwitzen kommt. Ein Glutschwall nach dem andern dringt durch die Fenster, lastet auf den Figuren und lockert das Korsett der Sitten. Scott Fitzgerald wird hier zum Meister eines brütenden Himmels, aufgeweichter Asphaltstraßen und dampfender, alkoholisierter Körper. Zur Katastrophe kommt es unter den Riesenaugen des Doktor T. J. Eckleburg, dem Plakat eines Augenarztes in einem verwahrlosten, aschfarbenen Gelände zwischen New York und Long Island. Die metergroßen Augen wachen gottgleich über einer Schutthalde. Ihnen entgeht nichts. Der Himmel über dem Roman ist leer, kein Gott straft die reichen Schufte, ihr Gewissen peinigt sie nicht. Aber die bebrillten Riesenaugen von T. J. Eckleburg haben alles gesehen. "Gatsby" wurde dreimal verfilmt, die Fassung von 1975 mit Robert Redford ist noch im Gedächtnis. Der ist zwar nicht die ideale Verkörperung des Jay Gatsby - ihm fehlt die abgründige Seite. Aber das Drehbuch ist erstklassig; die übrigen Figuren sind gut besetzt. Und Eckleburg bohrt einem den Blick noch in den Rücken, nachdem man das Kino verlassen hat. Wer aber Fitzgeralds Gatsby mit seiner romantischen Liebe hinter sich lassen möchte, wer sich für den Leichnam mit den faltigen Händen interessiert, der sollte einfach weiterlesen: seinen "Knacks" und vor allem die Briefe, die er mit seiner Frau Zelda gewechselt hat. Biographie des Autors
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