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Katz und MausVon Günter GrassInhalt
"Katz und Maus" ist der zweite Teil von Günter Grass’ Danziger Trilogie, zu der die beiden Romane "Die Blechtrommel" und "Hundejahre" gehören. In ihr setzt sich Grass mit dem Zweiten Weltkrieg und seiner Heimatstadt Danzig auf literarisch anspruchsvolle, aber auch überaus unterhaltsame Art auseinander. Rezension aus der Süddeutschen ZeitungDie Unverschämtheit im Adenauer StaatVon Christoph Bartmann"Die Novelle ‘Katz und Maus’ enthält (...) mehrere kurze Schilderungen sexualbezogener Vorgänge, die für sich allein betrachtet nicht nur als offensichtlich schwer jugendgefährdend, sondern auch als geeignet angesehen werden können, das Scham- und Sittlichkeitsgefühl normal empfindender Menschen in geschlechtlicher Hinsicht zu verletzen." So befand 1962 die Staatsanwaltschaft Koblenz, um sodann in einer kühnen Volte Grass vom Vorwurf der Verbreitung unzüchtiger Schriften freizusprechen: Weil die moderne Literatur sich ohnehin nicht mehr an den "Normalmenschen" richte, könne dessen sittliches Empfinden auch nicht länger als Richtschnur ihrer Be- oder Verurteilung dienen. Das Verfahren wurde eingestellt, aber "Katz und Maus", erschienen 1961, blieb im Adenauerstaat eine geschlechtliche, religiöse und politische Unverschämtheit. Das änderte sich auch unter Kanzler Erhard nicht, der Grass und seinesgleichen bekanntlich "Pinscher" nannte. Als dann 1966 die Verfilmung herauskam (mit den Brandt-Söhnen Lars und Peter in den Hauptrollen), da hatte Grass schon einen Wahlkampf lang für die "EsPeDe" und Willy Brandt getrommelt. Mit dem Eintritt Brandts in die Regierung war der freche Kläffer Grass zum Favoriten der Funktionäre avanciert. Warum das so war und sein musste, versuchte er in den folgenden Büchern einer ungestümen Jugend zu erklären, die aber nicht hören wollte, zumindest nicht auf Grass. Es dauerte lange, bis sich der Schriftsteller Grass von seiner Liaison mit der Sozialdemokratie erholte. So gut wie in seinem sozusagen "außerparlamentarischen" Früh- und Hauptwerk, der "Danziger Trilogie", worin "Katz und Maus" das schmale, aber konzentrierte Mittelstück darstellt, ist er vielleicht nie wieder gewesen. Worum geht es in der Novelle? Um "Erdbeeren, Sondermeldungen und Badewetter" im Danziger Vorkriegssommer 1939. Oder um Jungfrau, Maus und Gymnasium, wie der Novellen-Erzähler Pilenz die Hauptantriebe im mutmaßlich kurzen Leben seines Helden Mahlke resümiert. "Die katholische Jungfrau Maria" ist Gegenstand einer ans Lästerliche grenzenden, erotisch gefärbten Verehrung. Die Maus an seinem Hals, der übergroße Adamsapfel, der unübersehbare "Knorpel" zwingt Mahlke zu vielerlei kompensatorischen Mutproben, zu Tauchkunststücken in einem Schiffswrack, zum Diebstahl eines Ritterkreuzes, das seine Schmach verdecken soll und schließlich zu militärischen Heldentaten. Und das Gymnasium, "dieser muffige, nicht zu lüftende Kasten", sollte der Ort sein, an dem Mahlke den Lohn für seinen Kampf um männliche Anerkennung empfängt. Aber er empfängt ihn nicht: Erst wird er wegen des Ritterkreuzdiebstahls relegiert, später wird ihm die Möglichkeit verwehrt, als Träger eines redlich erkämpften Abzeichens im Gymnasium aufzutreten. Mahlke taucht ab und wird nicht mehr gesehen, obschon Pilenz noch Jahre später nach ihm sucht: "Aber Du wolltest nicht auftauchen." So endet die Novelle. Mit drei Pünktchen hat sie angefangen: "...und einmal, als Mahlke schon schwimmen konnte, lagen wir neben dem Schlagballfeld im Gras." Das ist ein Erzähl-Einstieg ganz im Geist jener Zeit, "experimentell" und "artistisch", ein "Konventionsbruch". Aber die Pünktchen geben auch einen Hinweis darauf, dass "Katz und Maus" aus der "Blechtrommel" herausgewachsen ist. Und sie verraten etwas von dem unendlichen Erzählpensum und der unbändigen Munterkeit dieses Schriftstellers. Von "munter schwarzen Fabeln" sprach die Nobelpreisbegründung für Grass. Das passt nicht schlecht auf "Katz und Maus. Biographie des Autors
Grass wurde auch für seine starke Anteilnahme am politischen Leben der Bundesrepublik bekannt. In den Wahlkämpfen von 1965, 1969 und 1972 engagierte er sich für die SPD und Willy Brandt. Auch zum Prozess der Wiedervereinigung meldete er sich immer wieder zu Wort, unter anderem in einem Streitgespräch mit Martin Walser. 1999 wurde er mit dem Nobelpreis für sein Lebenswerk geehrt. |
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